ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007Medizin-Nobelpreis für „Knock-Out“-Mausmodell

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Medizin-Nobelpreis für „Knock-Out“-Mausmodell

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2762 / B-2442 / C-2370

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Für ihre „bahnbrechenden Entdeckungen“ im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-Rekombination bei Säugetieren teilen sich drei Wissenschaftler den diesjährigen Medizin-Nobelpreis: Die Amerikaner Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Martin J. Evans erhalten die Auszeichnung für ihre Technik, in Versuchsmäusen gezielt einzelne Gene auszuschalten, um deren Funktion untersuchen zu können. Anhand der sichtbaren Veränderungen, die bei den Folgegenerationen auftreten, lässt sich dann rückschließen, welche Funktion das ausgeschaltete Gen für den Organismus hat. Inzwischen wurden rund zehntausend einzelne Mausgene ausgeschaltet – das entspricht in etwa der Hälfte des Säugergenoms. Da das Auftreten zahlreicher menschlicher Krankheiten die Folge gestörter Genfunktionen ist, stellt die „Knock-out“- Maus ein ideales Krankheitsmodell dar. „Das Gen-Targeting hat alle Bereiche der Biomedizin durchdrungen“, erklärte das Karolinska-Institut.
„Seine Bedeutung für das Verständnis der Genfunktionen und sein Gewinn für die Menschheit werden über viele Jahre wachsen." Schon heute gebe es mehr als 500 Mausmodelle etwa für Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, verschiedene Krebsarten und neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer.
Gen-Targeting
Capecchi wurde 1937 in Italien geboren, ist aber seit Langem amerikanischer Staatsbürger. Er forscht an der Universität in Salt Lake City in Utah. Nach Angaben des Karolinska-Instituts hat seine Arbeit „Licht auf die Ursachen mehrerer angeborener Missbildungen beim Menschen geworfen“. Sir Martin Evans, der an der School of Biosciences der Cardiff-University arbeitet, hat die Technik des sogenannten Gen-Targetings angewandt, um Mausmodelle für menschliche Krankheiten zu schaffen. Oliver Smithies (82 Jahre), ebenfalls gebürtiger Brite und heute an der University of North Carolina in Chapel Hill, hat anhand solcher Modelle Erkenntnisse über Krankheiten wie die Mukoviszidose und die Mittelmeer-Anämie gewonnen.
Die ersten Berichte über die „Knock-out“-Mäuse erschienen 1989. Inzwischen sind die Methoden verfeinert worden. So lassen sich auch stärkere und schwächere Versionen von Genen in die Tiere schleusen. Zudem können Gene zum gewünschten Zeitpunkt deaktiviert werden, auch in bestimmten Zellen und Geweben. Wie das Karolinska-Institut mitteilte, ist die Auszeichnung in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. zyl
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