ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007KV-Informationssystem für Arzneimittel: Neue Pfade im Verordnungsdschungel

POLITIK

KV-Informationssystem für Arzneimittel: Neue Pfade im Verordnungsdschungel

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2763 / B-2443 / C-2371

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die KV Rheinland-Pfalz bietet Ärzten schnellere Informationen über ihr Verschreibungsverhalten an. Damit steht sie nicht allein: Thüringen und Schleswig-Holstein ziehen mit.

Vertragsärzte stehen immer mehr unter Druck, für ihre Verordnungen in Haftung genommen zu werden. Daher ist es für sie unerlässlich, einen aktuellen Überblick über ihr Verordnungsverhalten zu haben.“ Darauf hat Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), vor Kurzem hingewiesen. Diese Erkenntnis hat er natürlich nicht erst in seinem neuen Amt gewonnen, sondern bereits als Chef der KV Rheinland-Pfalz, der er bis zum 30. September noch war.
Daten über Verordnungen und Abrechnungen auf einen Blick
Eine seiner letzten Aufgaben in dieser Funktion war die Präsentation eines neuen Verordnungsinformationssystems (VIS) Ende September in Berlin. Damit können Verordnungs- und Abrechnungsdaten zusammengeführt werden. So lassen sich Verschreibungen fallbezogen bewerten und diese Angaben als Basis für Beratungsgespräche nutzen. VIS soll Ärztinnen und Ärzten zudem bereits sechs Wochen nach Quartalsende Fakten über ihr Verschreibungsverhalten liefern und ihnen den Vergleich mit den Durchschnittswerten der jeweiligen Fachgruppe ermöglichen.
Doch nicht nur das, betonte Müller: „Gleichzeitig liefert VIS Informationen über die Verordnungsentwicklung in der gesamten KV und bietet so eine bessere Ausgangslage für Verhandlungen mit den Kassen über Arzneimittel-Ausgabevolumen und Richtgrößen.“ Getestet wurde das neue System erfolgreich in 200 Modellpraxen. Zumindest die KVen Schleswig-Holstein und Thüringen hat der Ansatz überzeugt: Sie haben Kooperationsverträge mit Rheinland-Pfalz unterzeichnet.
Bisher lieferte vor allem das GKV-Arzneimittel-Schnellinformationssystem (GAmSi) Verordnungsdaten. Dabei handelt es sich um ein angewandtes Analyseinstrument, das vom Wissenschaftlichen Institut der AOK entwickelt wurde und seit 2001 eingesetzt wird. Seit 2003 liefern die Krankenkassen nicht nur Informationen zur Arzneimittelausgabensituation in den einzelnen KVen, sondern auch standardisierte Berichte zum Verordnungsverhalten des einzelnen Arztes.
Vorstände von Überlegenheit überzeugt
Doch es gab und gibt Kritik an diesen Datenlieferungen: zu langsam, unvollständig, ungeeignet, um Antworten auf individuelle Fragen zum Verordnungsverhalten in der eigenen Praxis zu finden. Mehr und mehr Ärzte hätten sich die GAmSi-Datenlieferungen deshalb gar nicht mehr angesehen, berichtete Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstandsvorsitzende der KV Thüringen. „Die Kollegen, die haften sollen, erwarten wenigstens Transparenz“, ergänzte Ralf W. Büchner, Vorstandsvorsitzender der KV Schleswig-Holstein.
VIS wird mit Rezeptdaten gespeist, die zu 80 Prozent von standeseigenen und zu 20 Prozent von privaten Arzneimittelrechenzentren stammen. Dass das neue System anderen überlegen ist, müssen die kooperierenden KVen ihren Mitgliedern in den nächsten Monaten beweisen. Alle drei Vorstände gehen davon aus. Sie sind zudem überzeugt, dass VIS helfen wird zu belegen, weshalb an manchen Stellen mehr verordnet wird als früher. Als Beispiel nannte Müller das Disease-Management-Programm für chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen: Wenn sich dafür zahlreiche Patienten in einer Praxis einschrieben und die Ärzte sie leitlinienkonform behandelten, erhöhe das sofort den Medikamentenbedarf.
Sabine Rieser
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