ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007Leichenschau: Zustimmung
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Dem oben genannten Artikel kann ich als Pathologe und Rechtsmediziner nur voll und ganz beipflichten. Während meiner Ausbildung zum Rechtsmediziner habe ich bei etwa 1 000 Obduktionen mitgewirkt. Dabei wurden zwei bis dahin unbekannte Tötungsdelikte aufgedeckt. In einem Fall war dies nur durch aufwendigere chemisch-toxikologische Untersuchungen nach der Obduktion möglich. Im zweiten Fall hätte bereits eine sachkundige kritische erste Leichenschau ausgereicht, um einen gewaltsamen Tod durch Erwürgen zu erkennen. Hochgerechnet auf etwa eine Million Todesfälle in der Bundesrepublik pro Jahr würde dies bedeuten, dass 2 000 Tötungsdelikte unentdeckt blieben. Diese Erfahrungen mögen nur eingeschränkt repräsentativ sein. Die Schätzung von ca. 1 200 unentdeckten Tötungsdelikten pro Jahr in der gesamten Bundesrepublik halte ich jedoch keinesfalls für überzogen. Besonders häufig scheinen mir Fehleinschätzungen bezüglich der Todesursache bei alten und pflegebedürftigen Menschen zu sein, bei denen einerseits ein natürlicher Tod am nahe liegendsten und am häufigsten ist, andererseits aber auch so viele Motive für ein Tötungsdelikt wie bei kaum einer anderen Personengruppe existieren. Abhilfe könnte hier durch eine zweite Leichenschau sowie eine deutlich häufigere Anwendung des Instruments der Verwaltungsobduktion bei unklaren Todesfällen geschaffen werden. Beides kostet Geld, qualifiziertes Personal ist nicht ausreichend vorhanden . . . Angesichts dieser Situation bleibt nur eine bittere Erkenntnis: Tote haben keine Lobby.
Dr. med. Thomas Heisig, Institut für Pathologie, Oberer Markt 15, 66538 Neunkirchen
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