ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007Risikomanagement in der operativen Medizin

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Risikomanagement in der operativen Medizin

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2796 / B-2466 / C-2394

Ennker, Jürgen; Pietrowski, Detlef; Kleine, Peter

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Risikomanagement: Hochrisikobereich Herzchirurgie

Bei der Behandlung von Patienten kommen immer wieder riskante und manchmal katastrophale Situationen vor, die möglicherweise vermeidbar gewesen wären. Schätzungsweise die Hälfte dieser Vorkommnisse tritt in der Chirurgie auf. Die Autoren, selbst als Chirurgen in dem Hochrisikobereich der Herzchirurgie tätig, beschreiben umfassend Situationen, in denen Zwischenfälle auftreten können und zeigen Bewältigungs- und Vermeidungsstrategien auf.
Dabei verstehen die Verfasser das Risikomanagement nicht als Gegenspieler zur Qualitätskontrolle, sondern als zwingend notwendige Erweiterung des Qualitätsmanagements.
Die Autoren beschreiben das praktische Umsetzen eines Risikomanagements als einen mehrstufigen Prozess: 1. Die Schadensfälle müssen genau identifiziert und ausgewertet werden. 2. Eine Bewertung der Vorkommnisse muss kompetenzgerecht und durch mehrere Personen erfolgen. 3. Zur Bewältigung sollte ein neues oder überarbeitetes System vor einem erneuten Auftreten dieses Zwischenfalls schützen. Vor allem muss eine klare Verantwortlichkeit geregelt werden. 4. Das Vorgehen sollte nicht auf Vorfälle beschränkt bleiben, sondern besonders auch auf „Beinahe-Schäden“ ausgedehnt werden.
Das Risikomanagement in der Flugsicherheit nimmt eine Vorbildrolle ein, zumal in vielen Aspekten das ärztliche Handeln im Operationsraum Parallelen zur Arbeit des Piloten im Cockpit aufweist. Speziell der Umgang mit Fehlern ohne die häufig klinikübliche „Beschuldigungskultur“ könnte so einer Vermeidungskultur weichen. Dazu ist es notwendig, alle Zwischenfälle zu melden und damit Risikolücken zu identifizieren.
Das Buch beleuchtet folglich einen sehr wichtigen und in Zukunft immer relevanter werdenden Aspekt des ärztlichen Handelns. Mindestens für Chirurgen in Hochrisikobereichen sollte es zu einer Pflichtlektüre gehören. Ein gelungener Aufbau und lebendiger Inhalt erleichtern die Lektüre. Matthias Siepe

Jürgen Ennker, Detlef Pietrowski, Peter Kleine: Risikomanagement
in der operativen Medizin.
Steinkopff, Darmstadt, 2007, 189 Seiten, broschiert, 39,95 Euro
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