ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007HIV-Infektion: Arzneimittel mit neuen Wirkprinzipien

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HIV-Infektion: Arzneimittel mit neuen Wirkprinzipien

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2828 / B-2496 / C-2424

Zylka-Menhorn, Vera

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Foto: Roche
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Der CCR5-Inhibitor Maraviroc und der Integrasehemmer Raltegravir erweitern die Therapieoptionen.

CCR5-Inhibitor Maraviroc
Bevor das HI-Virus in seine Wirtszelle, den CD4-Lymphozyten, eindringen kann, muss es sich an einen Korezeptor binden. Allerdings existieren mehrere Korezeptoren. Während im gesamten Verlauf der HIV-Infektion Viren vorherrschen, die nur den CCR5-Korezeptor nutzen (R5-Viren), treten in Spätstadien Virustypen auf, die den Korezeptor CXCR4 benutzen (X4). Da Maraviroc (Celsentri®) selektiv den CCR5-Korezeptor hemmt, ist der Wirkstoff zugelassen für die Kombinationstherapie bei vorbehandelten Patienten, die ausschließlich mit CCR5-tropen Viren infiziert sind. Vor der Behandlung muss ein Test auf den Korezeptortropismus des Patientenvirus erfolgen.
In den placebokontrollierten, doppelblinden MOTIVATE*-Studien wurde die Wirksamkeit von Maraviroc bei virämischen, intensiv vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung untersucht, die initial zu über 40 Prozent eine Viruslast von > 100 000/ml und zu über 50 Prozent eine CD4-Zellzahl = 200/µl sowie im Durchschnitt zehn Proteasehemmer-Resistenzmutationen aufwiesen.
Der gepoolten Zwischenanalyse nach 24 Wochen zufolge, gelangten durch die Behandlung mit Maraviroc, zusätzlich zu einer optimierten Basistherapie aus drei bis sechs antiretroviralen Medikamenten, fast doppelt so viele Patienten (45 versus 23 Prozent) mit ihrer Viruslast unter die Nachweisgrenze (< 50 Kopien/ml) als ohne den CCR5-Inhibitor (p < 0,0001).
Von Patienten, deren Viruslast initial bei 100 000 oder höher lag, gelangten unter Maraviroc 35 Prozent auf den Zielwert von < 50 Kopien/ml, unter Placebo dagegen nur elf Prozent. Die CD4-Zellzahl war im Maraviroc-Arm im Mittel um 106/mm3 angestiegen, verglichen mit 57/mm3 im Placebo-Arm (p < 0,0001).
Da Menschen mit angeborenem CCR5-Rezeptor-Defekt klinisch gesund sind, wird die CCR5-Blockade ohne zusätzliches Risiko für die Patienten eingeschätzt. Die Verträglichkeit war nach Angaben von Prof. Jürgen Rockstroh (Universität Bonn) gut. Gegenüber der Basistherapie fand man keinen Unterschied in der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen, nebenwirkungsbedingten Therapieabbrüchen, Lebertoxizität, malignen Erkrankungen und Todesfällen. Häufigste Nebenwirkungen waren in beiden Studienarmen Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit.
Maraviroc wird in einer Dosierung von täglich 2 × 300 mg verabreicht. Bei Kombination mit nicht nukleosidischen Inhibitoren der reversen Transkriptase oder Proteasehemmern muss die Dosis je nach Kombinationspartner angepasst werden.

Pfizer-Symposium „Zukunft oder Fantasie? – Neue Behandlungsansätze in der antiretroviralen Therapie“
anlässlich des 17.Workshops der DAGNÄ in Köln

Integrasehemmer Raltegravir
Das HI-Virus verfügt über drei Enzyme, die essenziell sind für die Replikation und das Einschleusen des viralen Genoms in die Wirtszelle: die
Reverse-Transkriptase, die Protease sowie die Integrase. Mit Raltegravir steht demnächst auch ein Integraseinhibitor gegen den HIV-1-Subtyp zur Verfügung. In Lancet (2007; 369: 1261–9) wurden nach 24 Wochen die Zwischenergebnisse einer Phase-II-Studie veröffentlicht, die belegen, dass Raltegravir in Verbindung mit einer optimierten Hintergrundtherapie (OBT) in Bezug auf die virale Suppression bei gleicher Verträglichkeit wirksamer ist als Placebo.
In die Studie sind 179 vorbehandelte HIV-1-Patienten mit einer bestehenden Viruslast > 5 000 Kopien/ml eingeschlossen, die in drei Raltegravir-Gruppen (Dosierungen jeweils zweimal täglich 200, 400 oder 600 mg) und eine Placebogruppe randomisiert wurden. Die Patienten wurden im Mittel seit neun Jahren behandelt und hatten Aidssymptome entwickelt. Alle wiesen außerdem eine 3-Klassen-Resistenz auf.
In den Raltegravir-Gruppen sank die Viruslast zwei Wochen nach Studienbeginn um zwei Logstufen versus einer Logstufe unter Placebo. 55,6 bis 66,7 Prozent der Raltegravirgruppen erreichten eine Viruslast < 50 Kopien/ml (13,3 Prozent unter Placebo). Dabei stieg die CD4-Zellzahl innerhalb von 24 Wochen um 62,9 bis 112,8 Zellen/Mikroliter (Placebo: 5,4 Zellen/Mikroliter).
Die Verträglichkeit von Raltegravir war gut. „Die Substanz hat zudem eine gute Bioverfügbarkeit und kann nahrungsunabhängig eingenommen werden“, sagte Dr. Olaf Degen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in Frankfurt am Main. zyl

MSD-Symposium „Fortschritte im Management von HIV: Inhibition der HIV-Integrase – ein klinisches Update zu Raltegravir (MK-518)“ anlässlich des 3. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses in Frankfurt/Main
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