GELDANLAGE

Die Biosprit-Saga

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2829 / B-2497 / C-2425

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es ist gut zwei Jahre her, da rief mich ein höflicher Investmentmanager an und bot mir, im Rahmen eines „Pre-IPO“, Aktien des Biodieselherstellers EOP zu besten Vorzugsbedingungen an. Nachwachsende Rohstoffe seien das Thema der nächsten Jahrzehnte und ein Engagement in regenerative Energie überhaupt das Größte.
Der Staat würde überdies die Biodieselhersteller mit Fördergeldern zuschütten und die Mineralölindustrie müsste diesen alternativen Sprit den herkömmlichen Kraftstoffen auch noch (zwangs-)beimischen, wer also jetzt nicht investierte, hätte die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Eine risikolosere Gelegenheit, mit Raps viel Kohle zu machen, gäbe es auf lange Sicht wohl nicht mehr.
Nach dem Studium des umfangreichen Emissionsprospekts mit Hunderten von bunten Bildchen über künftige Umsätze, Marktanteile und Ertragsperspektiven habe ich mich aber dann doch gegen eine Zeichnung entschieden, zu aufgemotzt das Ganze, zu wenig fundamental abgesichert. Biosprit hat zudem saumäßige Energieausschöpfungswerte, will heißen, um einen Liter Rapsöl zu gewinnen sind enorme, die Umwelt durchaus erheblich beeinflussende Vorleistungen zu erbringen.
Aber egal, wahrscheinlich um mich zu ärgern, notierte der erste Börsenkurs von EOP Biodiesel am 14. September 2005 mit 9,70 Euro um fast 30 Prozent über dem Ausgabepreis von 7,60 Euro. So kann man sich irren, zunächst wenigstens. Im Lauf des letzten Jahres trieb der Biosprithype sämtliche Aktien der Branche auf neue Höchststände, und auch EOP überschritt locker die 20-Euro-Marke, erzielte also fast eine Verdreifachung seit dem Going Public. Unglaublich, welche Kurse möglich sind, wenn nur die Story stimmt. Oder stimmend gemacht wird.
Doch mittlerweile scheint mir der Realitätszwang die Verhältnisse doch wieder bereinigt zu haben. Die Aktien von Biodieselproduzenten sind in den letzten Monaten ziemlich in den Keller geknallt, ob sie nun Biopetrol, Verbio, Cropenergie, Petrotec oder BDI heißen. Und auch mein Kandidat EOP notiert heute wieder unter dem Emissionspreis.
Die Gründe für den Niedergang sind einleuchtend. Die steuerliche Förderung führte zum einen dazu, dass ungehemmt Produktionskapazitäten aufgebaut wurden, denen bei Weitem nicht so viel Nachfrage
gegenübersteht. Die Zwangsbeimischung von fünf Prozent Biosprit zum herkömmlichen mineralischen Öl macht ein Volumen von 1,5 Millionen Tonnen aus, produziert wird mit fünf Millionen Tonnen aber deutlich mehr. Rapsfelder allerorten, ohne Sinn und Verstand. Dass diese Übermenge am Markt nicht absetzbar ist, wenn sie nicht von der Ölindustrie übernommen wird, ist klar.
Anderseits verursacht die Herstellung von Biosprit „am Markt vorbei“ einen dramatischen Preisanstieg des Rohstoffs Raps. Dieser Effekt, früher Schweinezyklus genannt, wurde ehemals den Wirtschaftsstudenten im ersten Semester eingetrichtert, heute lernen die Burschen eher das Nichtverstehen von Börsenstudien. Was waren die alten Zeiten doch schön. Als die Rapsfelder einfach so blühten.
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