ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Transplantationsmedizin: Essener Chirurg nach neuen Vorwürfen suspendiert

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Transplantationsmedizin: Essener Chirurg nach neuen Vorwürfen suspendiert

Siegmund-Schultze, Nicola

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Universitätsklinikum Essen: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Arbeitsplätze von Christoph Broelsch und einer Oberärztin. Foto: dpa
Universitätsklinikum Essen: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Arbeitsplätze von Christoph Broelsch und einer Oberärztin. Foto: dpa
Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Arbeitsplätze von Prof. Dr. med. Christoph Broelsch und einer Oberärztin an der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Essen durchsucht, ebenso deren Privatwohnungen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Essen. „Insgesamt sind etwa 50 Umzugskartons mit Akten und Datenträgern sichergestellt worden“, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zum Deutschen Ärzteblatt. Das Material stamme zum großen Teil von den Arbeitsplätzen der Mediziner und zum kleineren aus den Wohnungen dreier Zeugen. Auch medizinische Abrechnungsbüros in Duisburg, Mönchengladbach und Hamburg hat die Polizei durchsucht.
Die Liste der Vorwürfe, die die Sonderkommission „EK-Klinik“ prüft, ist lang: Christoph Broelsch wird in 31 Fällen Betrug vorgeworfen zum Nachteil der Uniklinik, indem er Patienten alternativ zu einem Wahlleistungsvertrag gegen Spenden als Privatpatienten behandelt habe. Die Oberärztin habe mitgewirkt. In weiteren zehn Fällen soll Broelsch mit Patienten gegen Geld vereinbart haben, sie persönlich zu operieren, sie dann aber doch nicht selbst behandelt haben. In acht Fällen wird Broelsch Erpressung vorgeworfen.
Er habe todkranke Patienten, die ihn, aus anderen Kliniken kommend, als letzte Hoffnung aufgesucht hatten, zu Zahlungen veranlasst, bevor sie im Uniklinikum Essen aufgenommen beziehungsweise operiert worden waren. Auch hätten Patienten gegen Geld schneller stationär aufgenommen und operiert werden können. Broelsch habe zum Teil bar kassiert und nicht alles versteuert. Deshalb werde auch wegen Steuerhinterziehung ermittelt.
Drei Staatsanwälte und 64 Beamte sind mit den Ermittlungen beschäftigt. „Die Sichtung des Materials wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, heißt es von der Staatsanwaltschaft Essen. Broelsch ist inzwischen vom Dienst suspendiert. nsi

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