ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007„Neue Biologie“: vom Molekül zur Zelle

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„Neue Biologie“: vom Molekül zur Zelle

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2838 / B-2506 / C-2434

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Einem wahren Paradigmenwechsel in der Biologie sehen sich die Mitglieder der Leopoldina, der renommierten internationalen Gelehrtengesellschaft, gegenüber. „Zurück zur Ganzheit“ heißt die Devise, die sich durch die Molekularbiologie des 21. Jahrhunderts ziehen wird – darin waren sich die international führenden Wissenschaftler einig, die sich Mitte Oktober in Berlin zum Symposium „Molecular Biology in the 21st Century: From molecules to systems – a quantum jump in complexity“ trafen.
Während in den vergangenen 50 Jahren das Genom und das Proteom beziehungsweise das Bestreben, die Zelle in ihren Einzelteilen zu erforschen, im Mittelpunkt des Interesses von Biochemie und Biophysik standen, rückt nun in der „Neuen Biologie“ das komplexe biologische System sowie das „Interaktom“ in den Vordergrund. „Der Organismus ist mehr als nur die Summe seiner Moleküle“, ist Lepopoldina-Mitglied und Mitorganisator des Symposiums Prof. Dr. Rainer Jaenicke (Schwalbach) überzeugt. Unklar sei jedoch noch völlig, welche Interaktionen tatsächlich wichtig seien. Das Interesse der Forscher gilt unter anderem der Rolle der Mikro-RNA, die durch Translation und den Abbau ihrer Ziel-RNA die Genexpression beeinflusst. Ein weiterer Forschungsbereich ist die Epigenetik, die sich mit der Vererbung von Informationen über die Genregulation befasst, die nicht in der DNA-Sequenz kodiert sind.
Leopoldina als Plattform
„Es ist unser Ziel, den Forschungsstand der ,Neuen Biologie‘ über die Grenzen der einzelnen Disziplinen hinaus zusammenzutragen und die Chancen für die Medizin im 21. Jahrhundert kritisch zu hinterfragen“, erklärt Jaenicke. Dazu biete die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina eine ausgezeichnete Plattform. Die Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) ist die älteste Gelehrtengesellschaft in Europa und hat ihren Sitz seit 1878 in Halle an der Saale. Bereits 1670 gab sie die
erste naturwissenschaftlich-medizinisch orientierte Zeitschrift der Welt heraus. Heute besteht sie aus etwa 1 000 exzellenten und gewählten Mitgliedern aus aller Welt, die alle Disziplinen der Naturwissenschaften und der Medizin sowie auch einige andere Fachrichtungen vertreten. Sie fördert inter- und transdisziplinäre Diskussionen durch Symposien und Meetings, verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse und berät Öffentlichkeit und Politik zu gesellschaftlich relevanten Themen. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 31 Mitglieder der Leopoldina. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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