ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Alkoholkonsum: Geteilte Verantwortung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Keystone
Foto: Keystone
Die politische Verantwortung zur Prävention übermäßigen Alkoholkonsums und die schwierige Umsetzung der daraus abgeleiteten Steuerungsinstrumente ist von Petra Bühring hervorragend dargestellt worden. Die Verantwortung ist jedoch geteilt und betrifft selbstverständlich auch jeden einzelnen alkoholkonsumierenden Menschen und sein familiäres, soziales und berufliches Umfeld. Ratschläge und Maßnahmen zur Prävention in diesem Bereich bedürfen der Information über die mögliche schädigende Wirkung des Alkohols, insbesondere auch bei täglichem Konsum. Hier sind die täglichen Grenzwerte für einen risikoarmen Konsum in den letzten Jahren bis auf 20 g reinen Alkohol für den Mann und 10 g für die Frau zurückgenommen worden. Diese 20 g sind beispielsweise in etwa 0,25 Liter Wein oder 0,65 Liter Bier enthalten. Die sogenannte Dionysos-Studie (Bellentani et al., GUT 1997; 41: 845-850) hat bei einer Analyse von 6 534 Personen ergeben, dass das Risiko einer alkoholbedingten Lebererkrankung als gering einzustufen ist, wenn die oben angeführten täglichen Grenzwerte und auch die kumulative Menge von 100 kg reinem Alkohol für den Mann und 50 kg für die Frau eingehalten wurden. Die Gesamtmenge von 100 kg entspricht dem Konsum von beispielsweise 3 226 Liter Bier, 1 265 Liter Wein oder 333 Liter Spirituosen. Bei Einhaltung der täglichen Grenzwerte ist die kumulative Menge allerdings bereits nach 13,7 Jahren erreicht. Das Problem der relativ kurzen Konsumdauer liegt darin begründet, dass der Alkoholkonsum täglich erfolgte. Wissenschaftlich gesicherte Daten zum Risiko des intermittierenden Alkoholkonsums stehen allerdings noch aus, dies gilt sowohl für die möglichen individuellen Grenzwerte als auch für die Konsumdauer. Insgesamt gesehen sollte ein vernünftiger Alkoholkonsum mit nur geringem Risiko also durchaus möglich sein, dafür bedarf es aber der Einsicht eines jeden Einzelnen und gegebenenfalls auch der Hilfe und der Ratschläge anderer. Auch der betreuende Hausarzt ist für eine individuelle Risikobeurteilung gefragt. In Anbetracht von 9,3 Millionen Menschen in Deutschland, die eine Alkoholproblematik unterschiedlichen Grades aufweisen, ist dies eine ärztliche Aufgabe hoher Priorität.
Prof. Dr. med. Rolf Teschke, Medizinische Klinik II, Klinikum Hanau, Lehrkrankenhaus der Johann
Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt,
Leimenstraße 20, 63450 Hanau
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige