ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Rosazea Epidemiologie, Pathogenese, Klinik und Therapie: Mit-Ursache: „vegetative Gesichtsmaske“

MEDIZIN: Diskussion

Rosazea Epidemiologie, Pathogenese, Klinik und Therapie: Mit-Ursache: „vegetative Gesichtsmaske“

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2894 / B-2551 / C-2475

Hornstein, Otto P.

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LNSLNS Zur Pathogenese werden äußere Reizfaktoren und gestörte Mikrozirkulation infolge – über die Angularvenen fortgeleiteter – Dysregulation im thermoreaktiven „Hirnkühlkreislauf“ genannt. Diese Theorie kann aber die mediofaziale Lokalisation der Rosazea und die (unerwähnte) postprandiale Auslösung oder Verstärkung der Flush-Symptomatik nicht hinreichend erklären. Hierzu eine ältere Begründung.
Erinnert sei an das von Neurochirurgen bei Hirnstammkompression beschriebene vasomotorische Phänomen der „vegetativen Gesichtsmaske“ (1). Die Lokalisation dieser Reflexzone (Wangen, Nase, untere Stirnmitte) entspricht dem zweiten und dritten Dermatom als bogenförmig-konzentrische Projektionsfläche von Abschnitten der embryonal angelegten metameralen Gliederung des bulbären Nervensystems. Sie unterscheidet sich vom postganglionären Innervationsmuster des peripheren N. trigeminus und stimmt weitgehend mit dem Lokalisationsmuster der initial erythematösen Rosazea überein.
Hängt dieses Muster mit der postprandialen Auslösung der Rosazeaflushs zusammen? Bekanntlich bestehen neuronale Afferenzen zwischen dem parasympathisch Magen, Pankreas und oberen Dünndarm versorgenden N. vagus und seinem Kernareal in der Medulla oblongata. Vagusimpulse werden dort mit anderen Zentren einschließlich Segmenten des langgestreckten Trigeminuskerns vernetzt und über vegetative Neurone dem präganglionären N. trigeminus zugeschaltet, sodass die kutane Mikrozirkulation segmental beeinflusst wird. Gesteigerte Vagusreize (Gastritis etc.) können über den skizzierten Reflexbogen die Durchblutung der involvierten Dermatome exzessiv erhöhen. Pathophysiologisch lässt sich die Rosazea also als primär viszero-neurokutane Reflexdermatose mit sekundär entzündlichen Läsionen erklären.
Diese schon früher betonte Pathogenese (2, 3) hat auch therapeutische Bedeutung, weil unter Mitbehandlung von – häufig aufzudeckenden – Viszeropathien die assoziierte Rosazea sich mildern oder im Frühstadium abheilen kann. Häufig sind auch Alkoholkarenz/ Ernährungsumstellung wirksam. Die viszero-neuro-kutane Auslösung der Rosazea ist ein Beispiel der vielen Korrelate „externer“ und „interner“ Medizin.


Prof. (em.) Dr. med. Otto P. Hornstein
Danziger Straße 3, 91080 Uttenreuth
1.
Fischer-Brügge E, Sunder-Plassmann P: Die zentral-vasomotorische Beeinflussung umschriebener peripherer Körperabschnitte und ihre klinische Bedeutung. Acta neuroveg 1950; 1: 374–80.
2.
Blaich W: Differentialdiagnose und Pathogenese verschiedener Formen von Gesichtsrötungen. Hautarzt 1957; 8: 167–73. MEDLINE
3.
Schuermann H, Greither A, Hornstein O: Vegetative Gesichtsmaske (einschließlich Rosacea). In: Krankheiten der Mundschleimhaut und der Lippen, 3. erweit. Aufl. München–Berlin–Wien: Urban & Schwarzenberg 1966; 517–9.
1. Fischer-Brügge E, Sunder-Plassmann P: Die zentral-vasomotorische Beeinflussung umschriebener peripherer Körperabschnitte und ihre klinische Bedeutung. Acta neuroveg 1950; 1: 374–80.
2. Blaich W: Differentialdiagnose und Pathogenese verschiedener Formen von Gesichtsrötungen. Hautarzt 1957; 8: 167–73. MEDLINE
3. Schuermann H, Greither A, Hornstein O: Vegetative Gesichtsmaske (einschließlich Rosacea). In: Krankheiten der Mundschleimhaut und der Lippen, 3. erweit. Aufl. München–Berlin–Wien: Urban & Schwarzenberg 1966; 517–9.

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