ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Rosazea Epidemiologie, Pathogenese, Klinik und Therapie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Rosazea Epidemiologie, Pathogenese, Klinik und Therapie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2895 / B-2552 / C-2476

Lehmann, Percy Mario

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LNSLNS Herr Kollege von den Driesch weist richtigerweise auf die jahrzehntelange gute Erfahrung mit Schwefelpräparationen in der Dermatologie bei verschiedenen Indikationen, insbesondere aber bei der Rosazea, hin. Auch ich habe mit Schwefelpräparationen bei der Rosazea sehr gute Erfahrungen gemacht und kann die Ausführungen von Herrn von den Driesch bestätigen.
Es handelt sich hier um persönliche Erfahrungen, die auf jahrzehntelangem Gebrauch dieser Medikamente in der Dermatologie beruhen, die im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin die niedrigste Plausibilitätsstufe erreicht. Die zitierte Studie von HM Torok hat die Schwierigkeit, dass nicht Schwefel alleine, sondern eine Kombination aus 5-prozentiger Schwefelformulierung mit Sulfocetaminnatrium und zusätzlich noch einem Lichtschutzmittel verwendet und mit Metronidazol verglichen wird. Die günstige Wirkung kann aufgrund dieser Studie also nicht alleine auf die Schwefelpräparationen zurückgeführt werden. Aufgrund dieser Problematik fand bei dem sehr knapp vorgegebenen Raum für eine Übersichtsarbeit die Schwefelpräparation im Artikel keine Erwähnung (2, 3).
Herr Kollege Oster-Schmidt spricht insbesondere die schwierige Situation der Augenbeteiligung an. Hier ist unbedingt zu empfehlen, mit einem kompetenten Ophthalmologen zusammenzuarbeiten. Richtigerweise wird auf die Therapie der systemischen Antibiotika bei der Keratokonjunktivitis hingewiesen. Aus Platzgründen konnte hierauf im Artikel nicht näher eingegangen werden, und ich darf auch hier auf weiter Literatur hinweisen (2, 3).
Da der Schweregrad der okkulären Rosazea vom Hautbefund unabhängig ist, empfiehlt sich bei allen Rosazea-Patienten mit Augensymptomen eine ophthalmologische Untersuchung. Das Risiko der Erblindung ist außerordentlich gering, in circa 5 % der Fälle einer okkulären Rosazea können jedoch schwere Beteiligungen der Hornhaut als Rosacea keratitis auftreten, die mit Hornhautnarben und Hornhautvaskularisationen einhergehen. Diese Komplikationen sind weder medikamentös, noch operativ befriedigend zu therapieren (4).
Eine Erklärung für die Abfolge von seborrhoischer Dermatitis und Rosazea kann nicht gegeben werden.
In ersten Studien haben sich die weniger irritierenden Retinoide als wirksam erwiesen. Hier scheint die antiflogistische immunregulierende Wirkung den irritierenden Effekt der Retinoide zu übertreffen. Bezüglich der Sonnenschutzpräparate muss eine individuelle Verordnung erfolgen, die den Erfahrungen des Therapeuten folgen. Eine allgemein gültige Empfehlung kann hier nicht gegeben werden, zumal keine Studien über mehr oder weniger irritierende Sonnenschutzpräparate vorliegen.
Herr Prof. Hornstein ist zu danken für die weitergehenden Ausführungen über ältere Hypothesen zur Flushsymptomatik der Rosazea, die in dem Übersichtsartikel ebenso aus Platzmangel keine Erwähnung fanden, zumal sie weiterhin als Hypothesen gelten müssen, ohne dass eine Bestätigung durch neuere Untersuchungen folgen konnten. Besonders interessant sind diese Ausführungen im Licht neuerer Befunde, die die Rosazea als neuroimmunologische Reaktion ansehen, wobei dies zunächst auch als Hypothese zu betrachten ist, die erst bewiesen werden muss.


Prof. Dr. med. Percy Mario Lehmann
Klinik für Dermatologie, Allergologie u. Umweltmedizin,
HELIOS-Klinikum Wuppertal, Universität Witten-Herdecke
Heusnerstraße 40, 42283 Wuppertal
E-Mail: plehmann@wuppertal.helios-kliniken.de

Interessenkonflikt
Prof. Lehmann erhielt in den letzten 2 Jahren Vortragshonorare von den Firmen Galderma und Novartis. Die Autoren der übrigen Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Torok HM, Wester G, Dunlop FE et al.: Combination sodium sulfacetamide 10 % and sulfer 5 % cream with sunscreens versus metronidazole 0,75 % cream for rosacea. Cutis 2005; 75: 357–63. MEDLINE
2.
Lehmann P: Rosazea, Klinik, Pathogenese, Therapie. Hautarzt 2005; 56: 871–87. MEDLINE
3.
Lehmann P, Arens A: Rosacea fulminans. In: Plettenberg A, Meigel WN, Moll I: Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag 2000; 257–9.
4.
Schnaudigel OE: Manifestationen der Rosazea im Augenbreich. Stuttgart: Georg-Thieme-Verlag 2003: 63–5.
1. Torok HM, Wester G, Dunlop FE et al.: Combination sodium sulfacetamide 10 % and sulfer 5 % cream with sunscreens versus metronidazole 0,75 % cream for rosacea. Cutis 2005; 75: 357–63. MEDLINE
2. Lehmann P: Rosazea, Klinik, Pathogenese, Therapie. Hautarzt 2005; 56: 871–87. MEDLINE
3. Lehmann P, Arens A: Rosacea fulminans. In: Plettenberg A, Meigel WN, Moll I: Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag 2000; 257–9.
4. Schnaudigel OE: Manifestationen der Rosazea im Augenbreich. Stuttgart: Georg-Thieme-Verlag 2003: 63–5.

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