ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Farmacia di Santa Maria Novella: Der Duft von Florenz

KULTUR

Farmacia di Santa Maria Novella: Der Duft von Florenz

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2898 / B-2554 / C-2479

Wirth-Piller, Ariane

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Fotos: Ariane Wirth-Piller
Fotos: Ariane Wirth-Piller
Die berühmteste Apotheke von Florenz lockt Einheimische und Touristen und blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück.

Es ist diese ganz eigene Duftmischung von Kräutern und Blüten aus der Umgebung von Florenz, die den Besucher schon am Portal der Farmacia di Santa Maria Novella umfängt – in einer der ältesten Apotheken Europas. Am Ende eines im Halbdunkel liegenden Korridors bietet sich dem Kunden nach Eintritt in den ersten Verkaufssaal eine fast weihevolle Atmosphäre dar; unverkennbar weist die gotische Architektur auf einen Sakralraum. In den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Holzvitrinen lagern Hunderte von Parfumflakons, Seifenschächtelchen und edle Karaffen – alle versehen mit der Aufschrift „Officina Profumo Farmaceutica di Santa Maria Novella“ und dem Wappen des Dominikanerordens von Santa Maria Novella.
Touristen aus der ganzen Welt studieren die Auslagen, riechen hier und da an einem Stück Seife oder schnuppern an den mehr als 30 verschiedenen Duftwässerchen. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser so stimmungsvolle Ort nicht zu einer rein touristischen Stätte verkommen ist. Für viele Florentiner ist es selbstverständlich, ein Stück Seife als Mitbringsel für Freunde oder ein Potpourri für die eigenen vier Wände in der „Farmacia“ zu kaufen.
Zwar gleicht die „Farmacia di Santa Maria Novella“ heute mehr einer edlen Parfümerie als einer Apotheke. Doch genau in diesen Sälen haben die Dominikanermönche einst Kräuterkunde und Krankenpflege betrieben. Allerdings gibt es an diesem Ort auch eine jahrhundertealte Tradition, Liköre, Essenzen und Schönheitsmittelchen zu verkaufen. Diese überlebte bis heute, auch nachdem längst die Carabinieri in das alte Dominikanerkloster von Santa Maria Novella eingezogen sind. Ihre Einzigartigkeit verdankt die Apotheke auch dem Umstand, dass sie seit dem 14. Jahrhundert ohne Unterbrechungen fortbestand.
Hunderte von Parfumflakons, Seifenschächtelchen, Gläsern und edlen Karaffen lagern in den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Holzvitrinen.
Hunderte von Parfumflakons, Seifenschächtelchen, Gläsern und edlen Karaffen lagern in den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Holzvitrinen.
Im ausgehenden Mittelalter, in dem immer wieder verheerende Pestepidemien ganz Europa überzogen, begannen die Mönche von Santa Maria Novella mit der Herstellung und dem Verkauf von Rosenwasser, das als wirksames Desinfektionsmittel galt. Der älteste Verkaufsraum der „Farmacia“, die Erboristeria, der „Kräuterladen“, ist durch eine Tür direkt mit dem Kreuzgang und dem Klostergarten verbunden, wo man einst Heilkräuter, aber auch Orangenbäume kultivierte. Hier servierten die Mönche ihren zumeist adligen Kunden auch ihre selbstgebrauten Elixiere, wie den Alchermes, einen Likör aus exotischen Gewürzen, Rosenwasser und Orangenschalen, oder heiße Schokolade, das damalige „Modegetränk“ aus der Neuen Welt.
Der Ruf der „Farmacia“ reichte bald über die Grenzen der Toskana hinaus. Im Jahr 1612 machten die Mönche ganz offiziell ein Unternehmen daraus. Ein weltlicher Verwalter sorgte dafür, dass sich die Mönche ganz ihrem Studium der Kräuterheilkunde widmen konnten. Besonders der Dominikaner Angiolo Marchissi (1592 bis 1659) tat sich als Gelehrter hervor, darüber hinaus pflegte er Kontakt mit dem Großherzog der Toskana, Ferdinand II. Damit wurde die „Farmacia“ auch offiziell zum Hoflieferanten der Medici.
Mit dieser bedeutendsten Familie von Florenz verbindet die „Farmacia“ ihre berühmteste Kreation: Das „Acqua della Regina“ war ein eigens für Katharina von Medici, die spätere Königin von Frankreich, ersonnenes Duftwasser. Sie brachte das Parfum an den französischen Hof, wo man es das „Wasser der Königin“ nannte. Genau auf dieses Produkt lässt sich das heutige Eau de Cologne zurückführen: Die Formel für das Parfum hatte im 18. Jahrhundert der Italiener Giovanni Paolo Feminis in seinen neuen Wohnort Köln mitgebracht. Dort benannte er den Duft zu Ehren der Stadt in „Kölnisch Wasser“ um.
Ariane Wirth-Piller


Information: Officina Profumo Farmaceutica di Santa Maria Novella, Firenze, Via della Scala 16, Telefon: 03 90 55/21 62 76, Internet: www.smnovella.com, E-Mail: officina@smnovella.com
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