ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2007Software: Überwachung Antibiotika-resistenter Bakterien

TECHNIK

Software: Überwachung Antibiotika-resistenter Bakterien

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2900 / B-2557 / C-2481

EB

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Das Ultraschallsystem Sarano mit digitaler Systemarchitektur
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Ein weltweites Problem von Krankenhäusern, Rehakliniken und auch von Alten- und Pflegeheimen ist der steigende Anteil Antibiotika-resistenter Bakterien, vor allem des sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Er gehört zu den Hautbakterien, die vor allem den Nasen-Rachenbereich besiedeln können. Als Gesunder ist man durch MRSA nicht unmittelbar gefährdet. Ein erhöhtes Risiko haben allerdings Personen mit offenen Wunden, Hauterkrankungen oder geschwächter Immunabwehr. Ein besonderes, vor allem die stationäre Versorgung von MRSA-Patienten betreffendes Problem ist die Übertragbarkeit dieses Bakteriums auf weitere Patienten.
Das Erkennen unauffälliger Keimträger und das Beachten der Hygieneregeln im Krankenhaus sind die Grundlage zur Bekämpfung dieser Problematik. Effiziente vorbeugende Maßnahmen gegen dieses Bakterium erfordern klare Strukturen in der Präanalytik auf der Station, eine schnelle und valide Analytik im mikrobiologischen Labor, eine zeitnahe Ergebnisübermittlung und die Umsetzung prophylaktischer und therapeutischer Verfahren der Infektionskontrolle.
Individuelle Vorgaben
An dieser Stelle setzt die Software „Methios“ an. Sie unterstützt einen schnellen wechselseitigen Informationsfluss zwischen den behandelnden Ärzten, dem Pflegepersonal und dem mikrobiologischen Labor. Die netzwerkbasierte Software zur Überwachung Antibiotika-resistenter Bakterien wurde am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums des Saarlandes entwickelt.
Die Software erstellt aus den medizinischen Patientendaten individuelle und an die jeweilige Situation angepasste Vorgaben zum MRSA-Nachweis (Verfahren, Ergebnisse, Vorbefunde), zur MRSA-Therapie (zum Beispiel systemische/lokale Antibiotika, Antiseptika), zur Krankenhaushygiene (zum Beispiel Isolierung, Umgebungsprophylaxe, Desinfektion) und zur Pflege des MRSA-Patienten (zum Beispiel Umfang, DRG-Relevanz). Darüber hinaus umfasst die Software Auswertungs- und Alarmmodule, die auf den Stationen und in der Abteilung für Krankenhaushygiene das Auftreten von MRSA-Patienten, Clusterbildungen und die daraus resultierenden durchzuführenden Maßnahmen anzeigen und überwachen.
Mit der Software können die erforderlichen Sanierungs-, Isolierungs- und Pflegemaßnahmen angeordnet und überwacht sowie die Ausbreitung der Erreger signifikant verringert werden. Eine auf dieser Technik basierende Entwicklung klinikübergreifender MRSA-Netzwerke, die eine schnelle Übermittlung von Befunden und Therapievorgaben an die angebundenen Kliniken ermöglicht, würde in der Bekämpfung der im Krankenhaus erworbenen Infektionen effiziente Synergismen erzeugen. Gerade im Stadium der ersten gezielten länderweiten Strukturvorgaben gegen MRSA ist dieser Ansatz wegweisend. EB

Informationen: Dr. med. Udo Geipel, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Staatliche Medizinuntersuchungsstelle, Universitätsklinikum des Saarlandes, E-Mail: dr.udo.geipel@uks.eu
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