ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1997Mitteilungen: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft Drei Verdachtsfälle von postvakzinalen Guillain-Barré-Syndromen

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft Drei Verdachtsfälle von postvakzinalen Guillain-Barré-Syndromen

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LNSLNS Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) wurde innerhalb von zwei Monaten über drei Verdachtsfälle nach Grippeimpfungen aufgetretener akuter Polyradikuloneuritiden im Sinne von Guillain-Barré-Syndromen (GBS) informiert. Die beschriebenen Fälle wiesen einen schweren Verlauf auf, so daß intensivmedizinische Behandlung einschließlich Beatmung notwendig wurde. Diese möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) traten jeweils innerhalb von 10 Tagen postvakzinal auf. Nach den bislang vorliegenden Informationen wurde in einem Fall zusätzlich kurz zuvor eine Immunisierung gegen Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis vorgenommen. Die von zwei neurologischen und einer medizinischen Klinik berichteten Fälle wurden intensiv im Ausschuß "Unerwünschte Arzneimittelwirkungen" der AkdÄ Anfang Dezember diskutiert. Es bestand Kontakt zu den berichtenden Stellen, um weitere Detailinformationen zu erhalten. Die zuständige Bundesoberbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen, wurde informiert.
Die AkdÄ hatte die Ärzteschaft bereits in einer früheren Bekanntgabe im Deutschen Ärzteblatt (Heft 10 vom 9. März 1989) über Arzneimittel-induzierte GBS informiert. Die oben erwähnte Bekanntgabe (Titel: Arzneimittel-induziertes Guillain-Barré-Syndrom) ist über den Fax-Polling-/Fax-on-demand-Dienst der AkdÄ unter der Code-Nr. 2014 abrufbar.
Das GBS ist die häufigste erworbene demyelinisierende Neuropathie. Erste Symptome sind ein häufig distalsymmetrisch, vorwiegend an den unteren Extremitäten beginnendes Schweregefühl, Schwäche, schließlich schlaffe Lähmungen mit erloschenen Muskeleigenreflexen. Neben motorischen Störungen können auch Parästhesien und Sensibilitätsstörungen als erste Zeichen eines GBS auftreten. Die unter Umständen rasch und unberechenbar schnell vital bedrohlichen Risiken der Erkrankung sind die respiratorische Insuffizienz infolge Lähmung der Atemmuskulatur, kardiovaskuläre Störungen (Bradyarrhythmie, Dysautonomie) sowie spätere Folgeerscheinungen der Immobilisation wie Thrombosen oder (Lungen-)Embolien.
Die Sicherung der Diagnose "Guillain-Barré-Syndrom" erfolgt durch den klinischen Befund, Liquordiagnostik und gezielte Elektroneurographie.
Beim GBS nach Influenzaschutzimpfung handelt es sich um eine bekannte unerwünschte Arzneimittelwirkung, die in den Fachinformationen der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe aufgeführt wird und auch in Einzelfällen nach verschiedenen anderen Impfungen prinzipiell bekannt ist.
Wegen der in kurzer Folge eingegangenen UAW-Berichte möchte die AkdÄ die Ärzteschaft nochmals auf die Möglichkeit des Arzneimittel-induzierten GBS aufmerksam machen. Da das GBS auch in Minimalvarianten vorkommen kann, sollte schon bei einzelnen Symptomen (Schwäche, Schweregefühl oder Sensibilitätsstörung) an die Möglichkeit einer akuten Polyneuritis/Polyradikuli-tis gedacht und weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden.
Die AkdÄ ist an weiteren Beobachtungen aus der Ärzteschaft interessiert und bittet um entsprechende Mitteilungen von Verdachtsfällen, auch wenn der Symptomenkomplex nicht dem schwersten Vollbild eines GBS entspricht. Sie können auf dem in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt abgedruckten UAWBerichtsbogen (3. Umschlagseite jeweils im letzten Heft eines Monats) formlos oder auch telefonisch bzw. per Fax an die Geschäftsstelle der AkdÄ in Köln gerichtet werden. Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233-237, 50931 Köln, Tel 02 21/40 04-5 12, Fax 02 21/40 04-5 39
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