GELDANLAGE

In Dreiteufelsnamen

Dtsch Arztebl 2007; 104(42): A-2902 / B-2558 / C-2482

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn ein Kardinal strahlt, dann hat es entweder einen Monat lang keine schlechten Nachrichten über ihn gegeben oder eben eine besonders gute. KKL, besser bekannt als Karl Kardinal Lehmann, zeigte sich entzückt über die Auflegung einer Dom-Anleihe und dankte allen Initiatoren für die Unterstützung eines guten Zwecks, wobei ihn besonders freue, dass sich alle Bankengruppen des Bistums Mainz an dem Projekt beteiligt hätten.
Dom-Anleihe? Der Kölner, aber auch ich aus Süddeutschland vor langer Zeit ins Rheinland immigriert, denkt da wohl eher an Dom-Kölsch, verbunden mit einer Viertel-Euro-Spende zugunsten des Regenwaldes pro gekauften Kasten Bier oder so ähnlich. Kann es aber fast nicht sein, der hohe Herr Kardinal wäre wegen so etwas Profanem garantiert nicht entzückt.
Nein, hinter der Mainzer Dom-Anleihe steckt ein gewichtiges, sogar börsennotiertes Wertpapier und kann in der Zeit vom 10. bis 30. Oktober bei den beteiligten Vertriebspartnern (LRP, LBBW, Deutsche Bank, Dresdner Bank, DZ Bank, Mainzer Volksbank, Sparkasse Mainz und anderen Sparkassen sowie Volksbanken der Region) gezeichnet werden.
Damit auch der frömmste, gleichwohl nicht so begüterte Gläubige am Segen der Mainzer Dom-Anleihe teilhaben kann, ist die Schuldverschreibung in Tausender-Tranchen gestückelt, wenn schon, denn schon.
Der Clou: Das Agio von einem Prozent kommt der „Stiftung Hoher Dom zu Mainz“ zugute. Mit seinem Engagement unterstützt der Anleihebesitzer also den Erhalt des Mainzer Doms. Das ist eine prima Sache und verdiente eigentlich uneingeschränkten Beifall. Eigentlich . . .
Das Problem: Dieser Bond ist keineswegs ein Witwen- und Waisenpapier ohne Risiko, sondern hat es durchaus in sich, will heißen, es ist ziemlich spekulativ. Der Anleger hat lediglich die Chance auf einen Bonus von 10 Prozent in bestimmten Perioden, und das noch in Abhängigkeit von der Wertentwicklung zugrunde liegender Basiswerte. Kurzum, wenn es dumm läuft, gibt es am Ende der Laufzeit 2012, also nach maximal fünf Jahren und 26 Tagen, nur noch das Kapital zurück, ohne das gespendete Agio, versteht sich.
Das Dilemma: Es ist natürlich schwer, gegen ein Produkt anzuschreiben, das einen hehren Anstrich hat. Ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hier eher um einen gut konzipierten Marketinggag handelt, um gläubige Christen möglichst unkritisch in ein durchaus komplexes risikobehaftetes Wertpapier zu locken.
Hätte es die Mainzer Dom-Anleihe mit einer ganz gewöhnlichen gut durchschaubaren Inhaberschuldverschreibung und einer vernünftigen festen Verzinsung gegeben, dann wäre sie meines Beifalls sicher gewesen. So aber ziehe ich den Hut gerade nicht.
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