ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2007Lesestart – die Lese-initiative für Deutschland: Bücher fühlen, riechen und „schmecken“

KULTUR

Lesestart – die Lese-initiative für Deutschland: Bücher fühlen, riechen und „schmecken“

Dtsch Arztebl 2007; 104(43): A-2965 / B-2614 / C-2535

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Kleinkinder und ihre Eltern erhalten im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U6 ein unentgeltliches mehrteiliges Set, um schon früh das Lesen im Familienalltag zu verankern.

Foto: © Stiftung Lesen
Foto: © Stiftung Lesen
Lesen ist eine unverzichtbare Schlüsselqualifikation der modernen Wissensgesellschaft. Doch inzwischen stehen nach Angaben der Stiftung Lesen 20 Prozent aller 15-jährigen Jugendlichen an der Schwelle zum sogenannten sekundären Analphabetismus, das heißt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, einen gedruckten Text zu verstehen. Kindern aus sozial schwachen Familien wird, so die Stiftung Lesen, in den ersten sechs Jahren bis zum Schuleintritt kaum noch vorgelesen.
Diese alarmierenden Zeichen veranlassten die Stiftung Lesen gemeinsam mit zahlreichen Partnern, das Projekt „Lesestart – die Lese-Initiative für Deutschland“ ins Leben zu rufen. Vorbild für diese Kampagne sind Erfahrungen aus Großbritannien und ein dreijähriges gemeinsames Modellprojekt des Freistaates Sachsen und der Stiftung Lesen, das im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums und dem Ravensburger Buchverlag angelaufen ist.
Die Idee: Kleinkinder und ihre Eltern erhalten im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung U6 ein unentgeltliches, mehrteiliges Lesestartset, um schon früh das Lesen im Familienalltag zu verankern. Je früher Kleinkinder die Gelegenheit hätten, in faszinierende Bücherwelten einzutauchen, umso selbstverständlicher werde ihr Umgang damit. Das treffe bereits auf die Allerkleinsten zu. „Die können natürlich noch nicht lesen – sollen sie auch gar nicht, das lernen sie später in der Schule – aber sie nehmen Bücher mit all ihren Sinnen wahr: sie fühlen, riechen, ,schmecken‘ und spielen mit Büchern – sie ,be-greifen‘ sie im wahrsten Sinn des Wortes“, erklärte Sabine Bonewitz, Lesestart-Projektleiterin der Stiftung Lesen. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren können mithilfe der Aktion rund 500 000 einjährige Kinder und ihre Eltern ab Sommer 2008 die Lesestart-Materialien bei den Kinderärzten erhalten. Zu dem Set gehört ein Ravensburger Bilderbuch, ein „ABC des Lesens“-Ratgeber für die Eltern, eine Empfehlung mit Buchtipps der Zeitschrift „Eltern“ und ein kleines Mitmach-Tagebuch.
Die Lesestart-Allianz wurde von der Druck- und Papierindustrie, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, namhaften Verlagen und anderen Institutionen zusammen mit der Stiftung Lesen gegründet. Als wirkungsvollste Schnittstelle für die Kampagne wurden die Kinderärzte entdeckt. Nach Angaben der Stiftung Lesen nehmen mehr als 95 Prozent der Eltern die Routine-Untersuchungen beim Kinder- und Jugendarzt wahr. Darum sind die Stiftung Lesen und ihre Partner davon überzeugt, dass das der ideale Weg ist, um das Vorlesen in Familien – auch in bildungsfernen Schichten – wieder populär zu machen. Seit März hat sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) der Lesestart-Allianz angeschlossen. „Gern empfehlen wir unseren Mitgliedern, Eltern im Rahmen der kinder- und jugendärztlichen U6-Untersuchung das kostenlose Material zu übergeben. Wir Kinder- und Jugendärzte richten heutzutage unser Augenmerk neben der medizinischen Versorgung stets auch auf die individuelle Förderung der Kinder. Da gehört die Lese- und Sprachförderung dazu“, erklärt Dr. med. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ. Neben dem Verband der Kinder- und Jugendärzte unterstützen auch der Bundeselternrat und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband die Aktion.
Weitere Informationen unter: www.lesestart-deutschland.de
Gisela Klinkhammer
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