ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2007Lucentis versus Avastin: Ministerium prüft Zwangszulassung

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Lucentis versus Avastin: Ministerium prüft Zwangszulassung

Dtsch Arztebl 2007; 104(43): A-2910 / B-2566 / C-2490

Korzilius, Heike; Rieser, Sabine

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Makuladegeneration: Die Sehfähigkeit im zentralen Gesichtsfeld geht bei fortschreitender Krankheit verloren. Foto:Cordelia Molloy/SPL Agentur Focus
Makuladegeneration: Die Sehfähigkeit im zentralen Gesichtsfeld geht bei fortschreitender Krankheit verloren. Foto:Cordelia Molloy/SPL Agentur Focus
Der Streit um die Anwendung der Medikamente Lucentis® und Avastin® zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) geht weiter. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium prüft derzeit gemeinsam mit den Krankenkassen offenbar eine Art Zwangszulassung für das preisgünstigere Avastin. „Ich bin sehr dafür“, hatte Ministerin Ulla Schmidt (SPD) während der Vorstellung des Arzneiverordnungs-Reports (AVR) erklärt.
Dass der Einsatz von Lucentis und Avastin bei Makuladegeneration sich mittlerweile zum Politikum entwickelt hat, liegt an den Preisen. Eine Injektion des Präparats Lucentis der Firma Novartis kostet rund 1 500 Euro, während eine vergleichbare Dosis Avastin lediglich mit 50 Euro zu Buche schlägt. AVR-Mitherausgeber Prof. Dr. med. Ulrich Schwabe hat vorgerechnet, dass die Krankenkassen in Deutschland rund neun Milliarden Euro pro Jahr ausgeben müssten, um schätzungsweise 500 000 Patienten mit Lucentis zu behandeln. „Wenn stattdessen Avastin eingesetzt wird, würde das nur 32 Millionen Euro für alle Patienten pro Jahr kosten“, sagte er.
Avastin ist für die Behandlung der feuchten Makuladegeneration nicht zugelassen und wurde bislang nur off label eingesetzt. Diese Praxis ist jedoch streng genommen nicht mehr haltbar, seit Lucentis auf dem Markt ist. Gegen Verträge zwischen Krankenkassen und Ärzten, in deren Rahmen Avastin weiter verordnet wird, klagt Novartis. Avastin-Hersteller Roche wiederum hat bisher kein Interesse an Studien gezeigt, die Basis für eine erweiterte Zulassung wären.
Mit der Drohung einer Zwangszulassung versuchen Schmidt und die Krankenkassen derweil, Roche und Novartis unter Druck zu setzen. Nach Angaben von Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller, ist ein solcher Weg aber rechtlich unzulässig. Zudem müsste eine Zulassung auf europäischer Ebene genehmigt werden. HK, Rie
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