ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2007MRSA-Bekämpfung ist Gemeinschaftsaufgabe

AKTUELL: Akut

MRSA-Bekämpfung ist Gemeinschaftsaufgabe

Dtsch Arztebl 2007; 104(43): A-2910 / B-2566 / C-2490

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Infektionen mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gehen bekanntlich mit erhöhter Morbidität und Letalität einher, da die Möglichkeiten der Antibiotikatherapie eingeschränkt sind. Die Prävalenz der MRSA hat in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland zugenommen und ist – im Vergleich zu anderen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden – hoch. Einem aktuellen Bericht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Allianz Versicherung zufolge sind zehn bis zwölf Prozent der S.-aureus-Isolate mehrfachresistent. In den Krankenhäusern schwankt der Anteil der MRSA-Infektionen erheblich und liegt einer Studie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft zufolge im Durchschnitt bei 22 Prozent. Jährlich infizieren sich circa 16 000 Menschen in Deutschland mit MRSA (MRSA-KISS), ein bis zwei von hundert Patienten, die stationär aufgenommen werden, sind vermutlich bereits vor der Klinikaufnahme mit MRSA infiziert. In den Niederlanden liegt der Anteil der MRSA an den klinisch relevanten S.-aureus-Isolaten seit vielen Jahren stabil unter einem Prozent.
48 Stunden Quarantäne
Die Unterschiede haben zu Problemen bei der Behandlung von Patienten in der deutsch-niederländischen Grenzregion geführt. Musste zum Beispiel ein deutsches Kind in den Niederlanden stationär aufgenommen werden, kam es gleich 48 Stunden lang in Quarantäne. Inzwischen ist ein grenzübergreifendes Netzwerk zum Schutz der Bevölkerung vor MRSA in der Region Twente/Münsterland etabliert worden, das nach einem Beschluss der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz Vorbild für ganz Deutschland werden soll. Der Grundgedanke des EUREGIO MRSA-net: „Die Prävention darf sich nicht auf das Krankenhaus beschränken“, so Projektleiter Priv.-Doz. Dr. med. Alex Friedrich zum DÄ. Der MRSA-Patient müsse auch nach Entlassung in die Arztpraxis oder in ein Pflegeheim weiterbetreut und die Behandlung von sanierungshemmenden Faktoren wie chronische Wunden konsequent fortgeführt werden.
Kernelemente des Netzwerks sind Runde-Tisch-Gespräche mit den für die MRSA-Bekämpfung relevanten Beteiligten, ein Prävalenzscreening bei der Aufnahme in eine Klinik, Abstimmung der Hygienestandards, Fort- und Weiterbildung des Personals, der Aufbau eines Typisierungsnetzwerks mit Frühwarnsystem sowie Öffentlichkeitsarbeit. nsi

Help-Desk: 02 51/8 35 23 17, E-Mail: info@mrsa-net.org, Kontakt: Priv.-Doz. A. Friedrich, alexf@uni-muenster.de
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