ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2007Medienkonsum: Eine Suchterkrankung
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Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über Medienabusus und die Risiken für Psyche und Körper gelesen. Ich leite eine Suchtabteilung für Jugendliche und junge Erwachsene in der LWL-Klinik Hamm und sehe einen zunehmenden Handlungs- und Behandlungsbedarf der meiner Meinung nach zunehmenden Mediensucht und deren Folgen bei Kindern und Jugendlichen, die ich als Nichtstoffgebundene Sucht bezeichnen möchte. Wichtig ist zu explorieren, ob komorbid jugendpsychiatrische Erkrankungen vorliegen, wie zum Beispiel der zunehmende Rückzug vor den PC mit Abbruch direkter Sozialkontakte Ausdruck einer beginnenden Psychose oder Depression oder Phobie ist, oder aber der Konsum von Medien tatsächlich (kompensatorischen) Suchtcharakter annimmt. Zudem sehen wir Fälle, in denen Medien- und Drogensucht kombiniert auftritt, z. B. intensiv täglich mehrfach THC konsumiert wird und der Tag fast ausschließlich vor dem PC verbracht wird mit Abbruch von Sozialkontakten und Schulverweigerung. Da es sich bei Hirnen von Heranwachsenden um Hirne in der Entwicklung handelt, sind die Folgen bei langer und chronischer Mediensucht nicht unerheblich, da wichtige psychosoziale und psychoemotionale Prozesse mit Relevanz für die Hirnentwicklung ausbleiben. Diese Jugendlichen benötigen daher eine differenzierte Behandlung, der sich insbesondere die Kinder- und Jugendpsychiatrie stellen sollte. Wir bieten daher seit Kurzem ein ambulantes Angebot für solche Jugendliche an. Jugendlichen mit ausgeprägter Mediensucht bieten wir bei entsprechender Indikation stationäre Behandlung an.
Giulio Calia, LWL-Klinik Hamm, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik,
Heithofer Allee 64, 59071 Hamm
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