ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Therapie der Sepsis mit Antikörpern: Zur Zeit eine Phase der Enttäuschung

SPEKTRUM: Akut

Therapie der Sepsis mit Antikörpern: Zur Zeit eine Phase der Enttäuschung

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Bei der Behandlung der Sepsis und Verhinderung des konsekutiven Multiorganversagens hatte man in letzter Zeit große Hoffnung auf die Antagonisierung von Entzündungsmediatoren gesetzt. In tierexperimentellen Untersuchungen wurde beobachtet, daß bereits geringe Mengen mikrobieller Erreger zu einer massiven Aktivierung verschiedener Zytokine führen, die dann das Geschehen triggern und in alle Endstrombahngebiete hineintragen. Mit Versuchen an standardisierten Modellen war es dann auch gelungen, durch Inhibition dieser Mechanismen Organkomplikationen und konsekutiv die Sterberate zu reduzieren. Doch klinische Studien, beispielsweise mit Interleukin-1, um die überschießende Freisetzung des Tumor-NekroseFaktors und damit die Immunantwort der Hyperinflammation zu hemmen, hatten keine verbesserten Überlebensraten bei Sepsis und septischem Schock gezeigt.


Zur Zeit befinden wir uns in der Phase der Enttäuschung", erklärte Professor Werner Seeger (Universität Gießen) bei einer Pressekonferenz anläßlich des 3. Deutschen Interdisziplinären Kongresses für Intensivmedizin in Hamburg. Es zeichne sich ab, daß die Situation sehr viel komplizierter sei, als man bislang angenommen hatte. In dem komplexen Netzwerk der endogenen Mediatorsysteme kann bisher nicht sicher zwischen hierarchisch entscheidenden Effektoren des septischen Geschehens und solchen Sequenzen unterschieden werden, denen eher Indikatorcharakter zukommt. Neben der akuten hyperinflammatorischen Phase, auf die man sich bisher in experimentellen Modellen konzentriert hat, scheinen offenbar im weiteren Verlauf der Sepsis auch antiinflammatorische Mechanismen zum Tragen zu kommen, die mit ausgeprägter Immuninkompetenz verbunden sein könnten.

Therapeutische Ansätze müssen möglicherweise diesen phasenhaften Verlauf der Sepsis mehr berücksichtigen. Ob die verstärkte Meditorbildung und -freisetzung sich für den Patienten vorteilhaft oder nachteilig auswirkt, hängt unter anderem wahrscheinlich auch vom mikrobiellen Auslöser der Sepsis sowie von der primären Organmanifestation des infektiösen Geschehens ab. "Wir müssen also lernen, viel besser zu verstehen, in welchem Stadium der individuelle Patient sich befindet und an welchen Parametern wir das festmachen können", so Seeger. "Wahrscheinlich wird erst eine solche differenzierte Betrachtungsweise es ermöglichen, die verschiedenen Werkzeuge zur Zytokin-Antagonisierung oder Zytokin-Stimulation, die in jüngster Zeit verfügbar geworden sind, für den Patienten gewinnbringend einzusetzen." Gabriele Blaeser-Kiel

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