ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2007Cholera: Lüftet! Waschet! Feget!
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Mit drastischen Maßnahmen der Mobilitätseinschränkung wurde in Preußen versucht, der Cholera Herr zu werden. Im württembergischen Weinsberg sah man das etwas anders: 1831 verfasste der damalige Oberamtsarzt Justinus Kerner (1786– 1862), besser bekannt als romantischer Dichter-Arzt und Verfasser der „Seherin von Prevorst“, in drastischer Sprache ein „Sendschreiben . . . in Betreff der uns drohenden Cholera“, das in dem Aufruf zu allgemeiner Hygiene: „Lüftet! Waschet! Feget!“ gipfelte (Kerner 1831). Er scheute sich nicht, als Ursache der Choleraepidemie die mangelnde Hygiene seiner Mitmenschen beim Namen zu nennen: „Nimmt mir nicht übel, aber oft kam es mir vor, als seye die schlimmste, die häufigste Krankheit unter Euch die Wasserscheu . . .“ (Kerner 1831). In dieser Schrift zeigte er nicht nur erstaunlich detaillierte epidemiologische Kenntnisse, er beschrieb auch das klinische Bild der Cholera äußerst exakt. Zur Prophylaxe mahnte er zur Mäßigkeit: „So befleißiget Euch doch zu Speis und Trank das zu wählen, was Euern Bauch nicht belastet . . . und vorempfänglich macht. Denn den Völler, den Säufer, den Fresser trifft (die Cholera) gar leicht“, auch den „Furchtsamen und Zweifelnden“, vor allem aber den „Unreinlichen, den Schmutzigen am Leib und im Haus“ (Kerner 1831). Hier deutete Kerner beiläufig den engen psychosomatischen Zusammenhang allen Krankseins an und erkannte bereits, dass eine seelische Tiefphase zum Krankheitsausbruch prädisponieren kann.
Literatur bei dem Verfasser
Dr. med. Steffen Häfner,
Medizinische Universitätsklinik und Poliklinik,
Abteilung Innere Medizin VI, Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie, Osianderstraße 5, 72076 Tübingen
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