ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2007Ärztemangel: Die Patentlösung
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Die Autoren beschreiben zutreffend eine Reihe von Phänomenen im Umfeld des „gefühlten Ärztemangels“ in Deutschland. Ihrem Fazit: „Wie bei vielen komplexen Syndromen bleibt nach Würdigung aller Faktoren die Erkenntnis, dass es eine einfache Patentlösung nicht gibt“, möchte ich allerdings widersprechen. Meines Erachtens gibt es eine sehr einfache Lösung zur Beseitigung des gefühlten Ärztemangels in Deutschland. Sie lautet: Lasst Ärzte ärztliche Tätigkeiten ausüben. Für alles andere beschäftigt wen auch immer, aber nicht jemanden mit Medizinstudium und Facharztweiterbildung. Wenn wir dieser Parole folgen würden, würden wir uns meines Erachtens sehr bald die Augen reiben und feststellen, dass wir eher zu viele Ärzte haben als zu wenige (zu diesem Schluss kommen implizit auch die Autoren, wenn sie feststellen, dass die deutsche Arztdichte im internationalen Vergleich eher hoch ist) . . . Ich habe in meiner Zeit als Arzt viele junge Kolleg(inn)en erlebt, die voller Begeisterung in den Beruf gestartet sind. Wenn in der Nacht Patienten versorgt werden mussten, weil es anstand, hat sich nie einer verweigert. Aber wie soll ich Kollegen motivieren, wenn am darauffolgenden Morgen der Rüffel aus der Verwaltung kommt, weil nach einer mehrstündigen Notfalloperation nicht adäquat codiert wurde, was gemacht wurde und warum (können die sich diese Informationen nicht aus dem OP-Bericht und der Krankenakte holen?). Meine Tochter studiert Medizin. Ich hüte mich davor, ihr alle Gründe, die gegen eine ärztliche Tätigkeit im real existierenden Gesundheitswesen Deutschlands sprechen, zu benennen. Der ärztliche Beruf ist ein sehr schöner, zumindest im Prinzip. In Deutschland nicht! . . .
Dr. med. Thomas Schneider, Bornholzweg 38,
06484 Quedlinburg
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