ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2007Rettungsassistent: Mehr als überfällig
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Die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes mit einer klaren Kompetenzzuweisung ist mehr als überfällig. Besonders in ländlich strukturierten Gebieten ist der Rettungsassistent in Notfallsituationen durchaus für längere Zeit auf sich allein gestellt. Die Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen über die Eintreffzeit des Notarztes stellt nur einen Querschnitt zwischen dem Maximum und Minimum der Eintreffzeiten dar. Als Rettungsassistent mit mehrjähriger Erfahrung sowohl im städtischen als auch im zutiefst ländlichen Rettungsdienst bin ich auf einer Rettungswache eingesetzt, zu welcher der nächste bodengebundene Notarzt in 20 km Entfernung stationiert ist. Ist dieser Notarzt unabkömmlich im Einsatz, besteht nur die Möglichkeit, auf einen in 30 km stationierten Notarzt zurückzugreifen. Ferner besteht die Möglichkeit, einen in 60 km Entfernung befindlichen Rettungshubschrauber anzufordern. Der Rückgriff auf den Hubschrauber ist jedoch nachts oder bei schlechtem Wetter ausgeschlossen. Somit ist also, je nach Standort eines Rettungswagens, eine regelmäßige (!) Eintreffzeit des Notarztes von mindestens 15 Minuten ebenso realistisch wie das zeitgleiche Eintreffen in einer Großstadt . . . Herr Prof. Dr. Hoppe, der am Arztvorbehalt eisern festhält, möge sich doch bitte einmal in die Patientensituation hineinversetzen. Wie würde er es wohl empfinden, wenn er zu Füßen zweier Rettungsassistenten läge, sei es im Krampfanfall oder aber mit einer Herzfrequenz von 180 bpm, wobei der nächste verfügbare Notarzt noch eine Anfahrtszeit von 15 Minuten oder mehr vor sich hat. Wird es nun noch zwei Minuten dauern oder vielleicht doch acht Minuten, bis der Rhythmus ins Kammerflimmern übergeht? Für den Rettungsassistenten ist die Entscheidungsfindung derzeit so gesehen eigentlich recht einfach. Er hat zwei Möglichkeiten: Entweder er wird die indizierte, im Rahmen seiner Ausbildung und ständigen Fort- und Weiterbildung erlernte und unter ärztlicher Delegation bereits hundertfach durchgeführte Maßnahme ergreifen, oder aber er kann warten (um es überspitzt zu formulieren) „bis sich das Problem von selbst erledigt“. Im günstigsten Fall trifft der Arzt rechtzeitig ein, im ungünstigsten kommen die (ohne ausdrückliche Kompetenzzuweisung möglichen) Basics der Herz-Lungen-Wiederbelebung zur Anwendung. In Anbetracht der derzeitigen rechtlichen Stellung des Rettungsassistenten, wird man sich eher für die zweite Alternative entscheiden. Die Kernfrage zur Novellierung des Rettungsassistentengesetzes ist deshalb, ob die jetzige Struktur im Sinne eines professionellen Rettungsdienstes und letztendlich zum Wohl des Patienten hinnehmbar ist. Dies ist ganz klar zu verneinen . . . Durch eine Novellierung des Rettungsassistentengesetzes (eventuell in Verbindung mit einer Anpassung des Heilpraktikergesetzes) muss es möglich werden, dem Rettungsassistenten eine klar geregelte Kompetenz – auch zur Durchführung bestimmter ärztlicher Maßnahmen – zuzuweisen . . .
Max Bolsinger, Hauptstraße 136,
56170 Bendorf/Rhein
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