ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2007Atlas der Entwicklungsdiagnostik. Vorsorgeuntersuchungen von U1 bis U10/J1.

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Atlas der Entwicklungsdiagnostik. Vorsorgeuntersuchungen von U1 bis U10/J1.

Dtsch Arztebl 2007; 104(44): A-3015 / B-2652 / C-2572

Baumann, Thomas

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Pädiatrie: Primäre und sekundäre Prävention

Das Buch widmet sich dem so wichtigen und wenig beschriebenen Gebiet der „Praxispädiatrie“. Schwerpunkt bildet die primäre und sekundäre Prävention, die in der Praxis des niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziners einen zentralen Stellenwert einnimmt und Themen wie Entwicklungsdiagnostik, Unfallverhütung, Screeninguntersuchungen und Sozialpädiatrie umfasst.
Das Buch ist zwar primär für den niedergelassenen „Praxispädiater“ geschrieben. Es stellt aber auch für den pädiatrischen Hochschullehrer ein interessantes Werk dar, weil der Großteil der angehenden Pädiater innerhalb des Studiums nur ungenügend zum „berufsfertigen Arzt“ in der selbstständigen Praxis vorbereitet wird – in Anbetracht der Tatsache, dass die Kinder- und Jugendmedizin kein obligates Prüfungsfach (mehr) darstellt, ist dies ohnehin ein schwieriges Unternehmen. Nicht zuletzt ist dieses Buch auch für den in der Klinik tätigen Kinder- und Jugendmediziner von Bedeutung, weil er hier in voller Empathie die Welt der „Praxispädiatrie“ kennenlernen kann, um seine Kommunikation mit dem niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner abzustimmen.
Der Band besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil stehen Anamnese und Untersuchungsbefund des Kindes (inklusive Untersuchung einzelner Organsysteme, Pubertätsentwicklung) im Vordergrund. Im zweiten Teil werden die einzelnen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U10/J1 abgehandelt. Im Anhang findet man unter anderem Normwerte, Perzentilenkurven, Ernährungshinweise und einen Impfplan.
Das Werk lebt von seiner Phänomenologie; das Bildmaterial begeistert nicht nur den Eidetiker. Es hat nicht den Anspruch, ein Lehrbuch der Kinder- und Jugendmedizin zu ersetzen. Aber es ist unentbehrlich für den jungen „Praxispädiater“, der sein individuelles „Manual“ zu erstellen hat. Während die primäre und sekundäre Prävention einen erklärten Fokus darstellt, kommt die tertiäre Prävention bei chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter (Asthma, Diabetes Typ I, chronisch-entzündliche Darm­er­krank­ungen und Mukoviszidose) zu kurz. Auch zu den Themen Rauchen, Allergie und Neonatalscreening fehlen detaillierte Ausführungen (zum Beispiel Allergievermeidung im häuslichen Bereich, Tandem-MS). Das Frühwarnsymptom „acholischer Stuhl“ wird nicht erwähnt, und somit fehlt der Hinweis auf eine so verhängnisvolle Screeningdiagnose wie die extrahepatische Gallengangsatresie. Eine weitere häufige Diagnose, die mit Anamnese (zum Beispiel Pubertätsanamnese der Eltern) und körperlichem Befund in der Praxis differenziert werden kann, stellt die konstitutionelle Entwicklungsverzögerung von Wachstum und Pubertät dar. In einigen Punkten ist die Darstellung nicht präzise und missverständlich.
Insgesamt gesehen vermittelt das Buch eine übersichtliche und anregende Darstellung für jeden, den das Thema Prävention im Kindes- und Jugendalter interessiert. Es schließt eine bedauerliche Lücke auf dem medizinischen beziehungsweise pädiatrischen Buchmarkt. Ob diese schweizerische Initiative in der Lage ist, der deutschen Pädiatrie und dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss bei der Suche nach einer Kompromisslinie zwischen Evidenzbasiertem und „Wünschenswertem“ im Rahmen der derzeit laufenden Neustrukturierung der Vorsorgeuntersuchungen zu helfen, ist jedoch zu bezweifeln. Klaus-Peter Zimmer

Thomas Baumann: Atlas der Entwicklungsdiagnostik. Vorsorgeuntersuchungen von U1 bis U10/J1. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart, New York, 2007, 532 Seiten, gebunden, 99,95 Euro
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