ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2007Häusliche Gewalt: Auf Gewalterfahrungen ansprechen

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Häusliche Gewalt: Auf Gewalterfahrungen ansprechen

Bühring, Petra

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Foto: Caro
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Jede fünfte Frau in Deutschland hat körperliche oder sexuelle Gewalt im Erwachsenenalter erlitten. Das höchste Risiko geht dabei vom Partner im häuslichen Umfeld aus. Die Folgen für die Gesundheit sind gravierend: chronisch wiederkehrende Kopf- und Bauchschmerzen, Depressionen, Suizidversuche, Schwindel, Unterleibsschmerzen und Spontanaborte. „Ärzte müssen bei psychosomatischen und psychischen Symptomen aufmerksamer werden und die Frauen auf Gewalterfahrungen ansprechen“, forderte Dr. med. Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, bei einem in Kooperation mit dem Bundesgesundheitsministerium veranstalteten Fachsymposium in Berlin. Gemeinsam soll gegen häusliche Gewalt vorgegangen werden. Die Bundesregierung hat dazu einen zweiten Aktionsplan vorgelegt.
Studien weisen darauf hin, dass die Betroffenen auf Gewalterfahrungen angesprochen werden sollten. Scham, Schuldgefühle und Angst vor Konsequenzen hindern sie selbst daran, sich zu offenbaren. Da die meisten eher einen Arzt als eine Gewaltberatungsstelle oder ein Frauenhaus aufsuchen, kommt den Ärzten eine Schlüsselrolle zu. Sie müssen erkennen, ansprechen, dokumentieren und sind verpflichtet, weitere Gefahren abzuwehren – eine Anzeigepflicht haben sie dagegen nicht. „Im Zweifelsfall stehen die Rechtsmediziner als Ansprechpartner zur Verfügung“, betonte Dr. med. Hildegard Graß, Rechtsmedizinerin an der Universität Düsseldorf.
„Viele Ärzte sind sich ihrer Schlüsselfunktion nicht bewusst“, sagte Dr. med. Martina Weiß vom Beratungs- und Therapiezentrum Hannover. Sie forderte die Aufnahme des Themas in das Medizinstudium, in die psychosomatische Grundversorgung und Fortbildung. Verankert ist das Thema in den Weiterbildungsordnungen für Allgemeinmedizin und Gynäkologie. Der 105. Deutsche Ärztetag in Rostock 2002 hat die Ärztekammern verpflichtet, Fortbildungen anzubieten. Letztere werden von Ärzten aber nur zögernd angenommen. Die Expertinnen des Fachsymposiums fordern eine größere Sensibilisierung der Ärzte für die gesundheitlichen Folgen von Gewalterfahrungen. PB

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