ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2007Krebszellen durch Zellteilung in den Tod treiben

AKTUELL: Akut

Krebszellen durch Zellteilung in den Tod treiben

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): A-3062 / B-2698 / C-2606

EB

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LNSLNS Ein Großteil der Zellen eines Tumors wäre aufgrund von fehlerhaft verteilten Chromosomen nicht lebensfähig, hätten die Krebszellen nicht einen Trick entwickelt, dieses Chaos im Erbgut zu vermeiden. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten, dass das Antibiotikum Griseofulvin diesen Schachzug des Tumors durchkreuzt und so die Krebszellen in den Zelltod treibt.
Für den korrekten Ablauf der Zellteilung sind die beiden Zentrosomen verantwortlich: An diesen Körperchen setzt die Spindel aus Proteinfasern an, die den frisch verdoppelten Chromosomensatz korrekt zwischen beiden neu entstehenden Tochterzellen aufteilen. Krebszellen haben jedoch häufig mehr als zwei Zentrosomen. Das hat zur Folge, dass ihre Teilungsspindel nicht die normale – also spindelförmige – Gestalt mit zwei Enden hat, sondern dass sich funktionsunfähige, mehrpolige Gebilde entwickeln. Diese missgebildeten Spindeln verteilen die Chromosomen völlig ungeordnet, sodass die Tochterzellen meist nicht mehr lebensfähig sind. In Tumoren haben daher solche Zellen einen Überlebensvorteil, denen trotz überzähliger Zentrosomen eine korrekte Verteilung der Chromosomen gelingt. Dazu haben manche Krebszellen einen Mechanismus entwickelt, der mehrere Zentrosomen zu Aggregaten zusammenfasst, sodass sich schließlich zwischen zwei Aggregaten eine funktionsfähige zweiendige Spindel ausbilden kann.
Es entstehen missgebildete Spindeln
Prof. Dr. med. Alwin Krämer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg erkannte in diesem Trick eine bislang nicht beachtete Achillesferse, um die Krebszellen außer Gefecht zu setzen. Gemeinsam mit Kollegen aus Dänemark fahndete Krämers Team nach Substanzen, die die Zentrosomen-Aggregation verhindern. Die Substanz, die am besten die Bildung von Zentrosomen-Aggregaten verhindert, erwies sich als das seit Langem bekannte Antibiotikum Griseofulvin, das vor allem gegen Hautmykosen eingesetzt wird. In In-vitro-Experimenten bewirkt Griseofulvin, dass in Krebszellen missgebildete, mehrendige Spindeln entstehen, was schließlich zum Zelltod durch Apoptose führt. Bei gesunden Zellen löst das Antibiotikum jedoch keine Spindelmissbildungen aus. „Wenn auch Griseofulvin noch nicht das ideale Molekül für einen Einsatz in der Krebstherapie ist", erläutert Krämer, „so konnten wir doch eindeutig zeigen, dass dieser völlig neue Ansatz dazu beitragen kann, Krebs zu bekämpfen.“ EB
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