ArchivDeutsches Ärzteblatt45/20071. Deutscher Internistentag: Rolle der Inneren Medizin stärken

POLITIK

1. Deutscher Internistentag: Rolle der Inneren Medizin stärken

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): A-3074 / B-2708 / C-2615

Gieseke, Sunna

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Dr. med. Wolfgang Wesiack betonte die wichtige Rolle des Internisten in der gesundheitlichen Versorgung Deutschlands. Foto: Johannes Aevermann
Dr. med. Wolfgang Wesiack betonte die wichtige Rolle des Internisten in der gesundheitlichen Versorgung Deutschlands. Foto: Johannes Aevermann
Der Deutsche Ärztetag hat im Mai in Münster den Facharzt für Innere Medizin wieder in die (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung eingeführt. In Berlin wollten die Internisten nun die Vorteile des Berufstandes noch einmal in die Öffentlichkeit rücken.

Mit dem 1. Deutschen Internistentag wollten der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) eine Plattform für berufs- und gesundheitspolitische Fragen schaffen. „Internisten waren in den letzten Jahren in schwerem Wasser“, sagte Tagungspräsident und BDI-Vorstandsmitglied Jürgen F. Riemann bei dem dreitägigen Kongress Ende Oktober in Berlin. Die vergangenen Jahre seien von Macht- und Verteilungskämpfen zwischen Hausärzten und Internisten geprägt gewesen, fügte Prof. Dr. med. Wolfgang Hiddemann hinzu, ebenfalls Tagungspräsident und erster stellvertretender Vorsitzender der DGIM. Dies wolle man nun überwinden. Daher habe man für die Veranstaltung einen besonderen Schwerpunkt gesetzt: Es gelte, die Position der Internisten in der Gesellschaft und unter den ärztlichen Kollegen ebenso zu verbessern wie die Beziehung zu den Patientinnen und Patienten. Da der Internist immer mehr als Spezialist gefragt sei, zugleich aber die Nachfrage nach ganzheitlicher Medizin immer dringlicher werde, sei eine umfassende Sicht auf die Patienten unumgänglich.
Neben der eigenen Berufsgruppe der Internisten zielte die Veranstaltung aber auch auf die breite Öffentlichkeit ab. „Der gesellschafts- und gesundheitspolitische Stellenwert der Inneren Medizin in Deutschland muss gestärkt werden“, betonte Riemann. Dies sei besonders wichtig, da die großen internistischen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Rheuma weiter zunähmen, erklärte BDI-Präsident Dr. med. Wolfgang Wesiack. Daher wollten die DGIM und der BDI gemeinsam in der Öffentlichkeit ein Zeichen setzen und die „bisher prägende und auch in Zukunft unverzichtbare Unteilbarkeit, aber auch die Vielfalt der Inneren Medizin präsentieren“.
Die Innere Medizin sei eines der zentralen medizinischen Fachgebiete. Sie umfasse die hausärztliche und stationäre Behandlung von Patienten ebenso wie die allgemein fachärztliche und spezialisierte Versorgung in Schwerpunkten. Die Anforderungen an den Internisten würden immer vielfältiger und beeinflussten damit das gesamte Gesundheitswesen. Eine besondere Rolle spielten die Fachärzte für Innere Medizin in der Versorgung der alternden Gesellschaft, erklärte BDI-Vorstandsmitglied Riemann. „Die Internisten werden für die Versorgung gebraucht, da fachärztliche Spezialisten nicht überall, vor allem nicht in den ländlichen Gebieten Deutschlands, vorhanden sind“, sagte Wesiack. Ohne Fachärzte für Innere Medizin könne man die hausärztliche Versorgung in Deutschland nicht sicherstellen.
Kritik an einem falschen Arztbild in der Gesellschaft, das durch die Politik geschaffen werde, übte Hiddemann. In eine ähnliche Kerbe schlug auch BDI-Präsident Wesiack. „Die Politik sieht seit vielen Jahren unser Gesundheitssystem nur unter Kostengesichtspunkten und betreibt deshalb eine an materiellen Zielen ausgerichtete Kostendämpfungspolitik. Die für den Erfolg unserer Arbeit unentbehrliche Patienten-Arzt-Beziehung bleibt dabei weitgehend außer Acht“, erklärte er in seiner Eröffnungsrede. Die Politik beute schon seit Jahren das „Helfersyndrom“ der Ärzteschaft aus. Als Stichworte nannte Wesiack hier die kostenlosen Überstunden in den Kliniken, die unzureichende finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser und den Abbau der wohnartnahen ambulanten sowie stationären Versorgung.
Beruf und Familie vereinbaren
Die berufs- und gesundheitspolitischen Veranstaltungen des Internistentages behandelten darüber hinaus Themen wie die Zukunft des Krankenhauses und die Auswirkungen der neuen Weiter­bildungs­ordnung. Ein weiterer Schwerpunkt beschäftigte sich mit der Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Deutsche Internistentag beschloss, diese gezielt zu fördern. Denn von den 2 500 leitenden Internisten in Deutschland seien nur etwa 100 Frauen. Trotz der insgesamt guten Berufschancen für Internisten wanderten immer noch viele junge Ärztinnen und Ärzte ins Ausland ab oder suchten sich eine Stelle in einem anderen Berufsfeld. Daher wolle man sich zum Ziel setzen, den Beruf auch wieder für jüngere Kollegen attraktiv zu machen.
Sunna Gieseke
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