THEMEN DER ZEIT

Pharmasponsoring: Einfluss der Industrie beschränken

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): A-3091 / B-2718 / C-2625

Lehmkuhl, Dieter

Eine Kampagne von US-Ärzten will durch einen Verhaltenskodex zur Lösung von Interessenkonflikten beitragen.

Den Einfluss der Gesundheitsindustrie auf Ärztinnen und Ärzte einzudämmen, ist das Ziel einer Kommission des American Board of Internal Medicine und des Institute of Medicine as Profession der New Yorker Columbia-Universität. Das Gremium hat eine weitreichende Reformagenda erarbeitet, deren Veröffentlichung im Journal of the American Medical Association (JAMA) im Januar 2006 in Deutschland allerdings bislang wenig beachtet wurde. Dabei ist eine breite innerärztliche wie auch gesellschaftliche Diskussion dieser Thematik auch hierzulande überfällig.
Trotz aller bisherigen Anstrengungen würden die Grenzen zwischen Patientenwohl und Profit regelmäßig überschritten, schreiben die Autoren im „JAMA“. Das Verhalten der Ärzte sei dabei ein großer Teil des Problems. Das Ansehen des Berufsstands und die Vertrauenswürdigkeit der Industrie stünden auf dem Spiel. Die Annahme, es reiche aus, Interessenkonflikte offenzulegen, um die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und das Patientenwohl zu wahren, sei ein Mythos. In Anbetracht dessen, dass 90 Prozent des 21 Milliarden Dollar umfassenden Marketingbudgets der US-Pharmaindustrie direkt auf Ärzte abzielen, sind nach Ansicht der Autoren strenge Regeln erforderlich, die die gängige Praxis der Zuwendungen beenden. Die Empfehlungen im Einzelnen:
- Es ist verboten, Geschenke oder Essenseinladungen anzunehmen sowie sich Reisekosten oder die Teilnahme an Tagungen oder Onlinefortbildungen finanzieren zu lassen.
- Ärzte sollen keine Medikamentenmuster annehmen. Ein Gutscheinsystem soll die Versorgung bedürftiger Patienten sicherstellen.
- Ärzte mit finanziellen Verbindungen zur Industrie sollen aus Kommissionen ausgeschlossen werden, die über die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten oder den Kauf von Medizingeräten beraten oder entscheiden.
- Die Unterstützung zertifizierter Weiter- und Fortbildung durch die Industrie ist verboten. Firmen, die medizinische Fortbildung fördern wollen, sollten statt dessen in einen zentralen Fonds einzahlen.
- Beratungs- oder Vortragshonorare für Ärzte sollten ebenso wie die zu erbringenden Leistungen vertraglich festgehalten werden. „Fördermittel“ für Wissenschaftler, an die keine Bedingungen geknüpft sind, kommen Geschenken gleich und sind deshalb zu unterlassen.
- Industriegelder sollten statt an einzelne Wissenschaftler direkt an die Universitäten fließen und allgemeinen Forschungszwecken dienen.
Mit der Umsetzung dieser Empfehlungen erhofft sich die Kommission eine Senkung der Arzneimittelausgaben, eine rationalere Pharmakotherapie und eine stärkere Orientierung an der ärztlichen Ethik. Einige renommierte medizinische Fakultäten haben diese Empfehlungen bereits umgesetzt, darunter die der Universitäten von Stanford, Pennsylvania und Yale. Seit Anfang des Jahres unterstützt eine Kampagne, die vom Prescription Project organisiert und von der gemeinnützigen Pew-Stiftung in Boston mit sechs Millionen Dollar unterstützt wird, die Umsetzung dieser Empfehlungen (www.pewtrusts.com; www.prescriptionproject.org).
Dr. med. Dieter Lehmkuhl

Literatur
Brennan TA et al.: Health Industry Practices: That Create Conflicts of Interest. JAMA 2006; 295: 429–33.
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