ArchivDeutsches Ärzteblatt14/1997Politik: Märtyrerschaft?

SPEKTRUM: Leserbriefe

Politik: Märtyrerschaft?

Budde, Manfred

Gedanken zur Gesundheitspolitik
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LNSLNS Während der vier Jahre von 1993 bis 1996 haben die niedergelassenen Ärzte durch den Punktwertverfall etwa ein Jahreseinkommen verloren. Das sind insgesamt 35 Milliarden DM oder mehr. Wo ist das Geld? Es solle doch gespart werden! Und zu sparen heißt doch, Konsumaufschub zu betreiben, heute Geld auf die hohe Kante zu legen, damit es morgen zur Verfügung steht.
Das Geld ist weg! Wer hat es? Nun, mit dem uns vorenthaltenen Honorar für geleistete Arbeit hat Herr Seehofer Gruppen subventioniert, denen es immer an Geld fehlt. Das sind die - noch - beschäftigten Arbeitnehmer und - wer wäre darauf gekommen? - die Arbeitgeber!
Wie das? Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringen - noch - jeder zur Hälfte die Mittel zur Kran­ken­ver­siche­rung auf. Wenn sie innerhalb der vier Jahre von 1993 bis 1996 dank der Güte und Weitsicht Herrn Seehofers 35 Milliarden DM (oder mehr) für ärztliche Honorare nicht aufzubringen brauchten, dann hatte jede der beiden Gruppen einen Subventions-Profit von 17,5 Milliarden DM (oder mehr). Das ist ein Bonus für jeden Arbeitnehmer von etwa 500 DM insgesamt oder 125 DM pro Jahr. Wer hätte das gedacht?
Da schneidet ein Arbeitgeber, der 2 000 Arbeitnehmer beschäftigt, schon besser ab: Ihn haben die Ärzte mit insgesamt einer Million DM oder 250 000 DM pro Jahr subventioniert.
Es gilt als besonders grausam, aus anderer Leute Haut Riemen zu schneiden. Doch ist es nicht weniger verwerflich, das zuzulassen, solange man sich noch wehren könnte - es sei denn, man wäre Märtyrer. Sind die niedergelassenen Ärzte nun Märtyrer, oder können sie sich noch wehren?
Was auch immer! Seit wann wird Ausbeutung Reform genannt? Und das alles soll durch die Verfassung gedeckt sein?
Dr. med. Manfred Budde, Pilarstraße 8, 80638 München
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