GELDANLAGE

Der Sisyphos-Effekt

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): A-3130 / B-2754 / C-2658

Rombach, Reinhold

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LNSLNS In den letzten Tagen häufen sich bei mir die Anrufe besorgter Anleger, sie würden von ihrem Banker bedrängt, fast schon genötigt, jetzt schon in Richtung der drohenden Abgeltungsteuer tätig zu werden. Vor allem rieten die Herren aus den Geldhäusern dringend zum Erwerb von Dachfonds, das sei die optimale Strategie, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen, am liebsten mit sofortiger Vollzugsmeldung.
Diese Hatz und die Hast halte ich für unsinnig und völlig unangebracht. Es ist ohne Weiteres möglich, sich noch im Dezember 2008 durch Wertpapierkäufe für die Zukunft steuerfreie Kursgewinne zu sichern, der Abgeltungsteuer also ein Schnippchen zu schlagen, von Zertifikaten einmal abgesehen. Welche Papiere aber dann tatsächlich attraktiv sind, lässt sich heute in der Regel gerade nicht beurteilen, es kommt in der Titelauswahl ja darauf an, wie zum entscheidenden Zeitpunkt die Börsenfavoriten bewertet sind. Lohnt sich ein Kauf zu dem dann tagesaktuellen Kurs noch oder eben nicht.
Auch die Entwicklung des Zinsniveaus Ende 2008 wird eine wichtige Rolle spielen bei der Frage, welche Rentenwerte dann konkret angeschafft werden. Glaube nur keiner heute zu wissen, welche Papiere er im Hinblick auf den steuerlich wichtigen Jahreswechsel 2008/2009 kaufen muss, das ist bestenfalls Stochern im dicken Nebel – das gilt für Aktien und Festverzinsliche gleichermaßen.
Welche konkrete Anlagestrategie mit Blick auf die Abgeltungsteuer tatsächlich umzusetzen ist, lässt sich demnach einigermaßen seriös erst Mitte bis zum Herbst kommenden Jahres sagen, und dann ist auch noch Zeit genug, den Fokus auf mögliche steuerfreie Kursgewinne zu richten.
Wer also jetzt dem Drängen seines Geldinstituts nachgibt und sich Dachfonds ins Depot packen lässt, kann am Ende auch verlieren, obwohl Dachfonds im Vergleich zur Direktanlage hinsichtlich der Abgeltungsteuer tatsächlich besser gestellt sind. Und das geht so: Sie packen eine ordentliche Geldsumme in die Fonds, und regelmäßig, wenn sich der Anleger am Renditegipfel wähnt, kommt die große Enttäuschung, vermutlich mit dem Jahresdepotauszug. Der Fonds hat sich wieder einmal schlecht entwickelt, zumindest im Vergleich zum Markt.
Schuld daran sind die immensen Gebühren, eben verursacht durch die spezielle Dachfondskonstruktion, ein Fonds beteiligt sich an anderen Fonds. Es gab Zeiten, da war diese Anlageform verboten. Ich finde, aus durchaus guten Gründen. Diese Gebühren hängen nämlich wie ein Stein an den Erfolgschancen des Papiers und wiegen vermutlich die „Vorteile“ der Abgeltungsteuer (für Dachfonds) nicht auf. Bei Weitem nicht. Sisyphos lässt grüßen.
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