ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2007Sozialverhalten: Moralische Entwicklung im Rückstand

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Sozialverhalten: Moralische Entwicklung im Rückstand

PP 6, Ausgabe November 2007, Seite 511

MS

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LNSLNS Jungen mit einer Störung des Sozialverhaltens sind im Hinblick auf ihr soziomoralisches Denken gegenüber nicht betroffenen Jungen im Rückstand. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Psychologen der Universitätsklinik Frankfurt am Main, die 16 Jungen mit einer Störung des Sozialverhaltens mit 16 klinisch nicht auffälligen Jungen im Alter zwischen neun und 14 Jahren verglichen haben. Sie fanden heraus, dass die Jungen mit gestörtem Sozialverhalten auf einer Übergangsstufe zwischen unreifem und reifem sozio-moralischen Niveau standen. Charakteristisch dafür war eine austauschorientierte, instrumentelle Moralhaltung mit dem Ziel, eigene Bedürfnisse zu maximieren. Die unauffälligen Jungen zeigten hingegen ein reiferes Moralniveau, das als wechselseitig und prosozial bezeichnet werden kann. Einfluss auf den Entwicklungsstand des sozio-moralischen Denkens hatte unter anderem die mütterliche Unterstützung. Jungen, die zu wenig mütterliche Unterstützung erfuhren, zeigten ein niedrigeres moralisches Entwicklungsniveau. Die Wissenschaftler führen diesen Zusammenhang auf einen Mangel an angemessenen, durch die Mutter vermittelten Gelegenheiten zur Rollenübernahme und Perspektivenwechsel in der Lernumwelt der Kinder zurück. Andere psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflussten das soziomoralische Entwicklungsniveau hingegen nicht. ms

Stadler C, Rohrmann S, Knopf A, Poustka F: Sozio-moralisches Denken bei Jungen mit einer Störung des Sozialverhaltens. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2007; 35(3): 169–78.
Dipl.-Psych. Dr. Christina Stadler, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Deutschordenstraße 50, 60528 Frankfurt am Main, E-Mail: Christina.Stadler@em.uni-frankfurt.de
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