ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2007Psychoanalyse der Lebensbewegungen. Zum körperlichen Geschehen in der psychoanalytischen Therapie

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Psychoanalyse der Lebensbewegungen. Zum körperlichen Geschehen in der psychoanalytischen Therapie

PP 6, Ausgabe November 2007, Seite 528

Geißler, Peter; Heisterkamp, Günter

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Körperpsychotherapie: Die Mauer durchlässiger werden lassen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigen sich eine kleine Gruppe von bekannten Psychoanalytikern und eine wachsende Zahl von Praktikern in Deutschland mit der Integration von Psychoanalyse und Körperpsychotherapie. Nach den ethischen Standards der verschiedenen Analytikerschulen ist die Berührung eines Analysepatienten in der Behandlung untersagt und steht sozusagen unter der Strafandrohung der verschiedenen Ethikkommissionen. Es sind allerdings bisher, außer in den gravierenden Fällen des sexuellen Missbrauchs, kaum nennenswerte Verfahren eröffnet worden. Aber noch immer gilt die ideologische Ausgrenzung der Körperpsychotherapie, obwohl die Anzahl der Kollegen zunimmt, die in einer mutigen standesrechtlichen Grauzone Dinge tun, die sie für einzelne ihrer Patienten dringend und begründet für notwendig halten.
Diesen und vielen zögernden und auch ängstlichen Kollegen mag das große Lehrbuch mit Aufsätzen der meisten Pioniere Anregung und Hilfe bieten, weil es die wichtigsten Fortschritte der analytischen Körperpsychotherapie auf hohem wissenschaftlichen Niveau zur Kenntnis bringt. Ein riesiges Literaturverzeichnis dokumentiert, wie breit unter der Hand das Schrifttum in In- und Ausland zum Seele-Körper-Thema inzwischen geworden ist, und ein Verzeichnis mit Hunderten von Fallvignetten nach Stichworten erlaubt es in dem Band, sich sicher in die klinische Empirie einführen zu lassen.
Es ist schwierig, eine Auswahl zu treffen, weil es sich um eine Summe des gegenwärtigen Stands der analytischen Körperpsychotherapie handelt, in dem alle großen Schulen der Psychoanalyse kooperativ und solidarisch vertreten sind. Aber um nur einige Namen zu nennen, so sind die Arbeiten der beiden Herausgeber zu erwähnen, Günter Heisterkamp mit dem Aufsatz „Praxis der Analyse seelischer Lebensbewegungen“ und Peter Geißler mit dem grundlegenden Übersichtsreferat „Entwicklungspsychologisch relevante Konzepte im Überblick“; des Weiteren der grundlegende Vergleich von Jörg Scharff über „Psychoanalyse und inszenierende Interaktion: Gemeinsamkeiten und Unterschiede“; die Arbeiten von Gisela Worm, darunter „Der Körper lügt nicht. Zur Widerstandsanalyse in der Körperlichen Interaktion“.
Obwohl die analytische Körperpsychotherapie in der Fachliteratur seit vielen Jahren präsent ist, gilt nach wie vor der Satz von Gisela Worm: „Trotz aller aktuellen Entwicklungen der Wahrnehmung körperlicher Phänomene ist innerhalb der Psychoanalyse der aktive Umgang mit Patienten weiterhin tabuisiert. Theoretische Festlegungen und Mangel an Erfahrung bestimmen die weitgehende Ausgrenzung.“ Die noch immer hohe Mauer dürfte durch diesen ausgezeichneten Band in den kommenden Jahren ein wenig durchlässiger werden. Tilmann Moser

Peter Geißler, Günter Heisterkamp (Hrsg.): Psychoanalyse der Lebensbewegungen. Zum körperlichen Geschehen in der psychoanalytischen Therapie. Ein Lehrbuch. Springer, Wien, New York, 2007, 675 Seiten, gebunden, 89,95 Euro
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