ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2007Medizintechnik: „Made in Germany“ ist gefragt

SUPPLEMENT: PRAXiS

Medizintechnik: „Made in Germany“ ist gefragt

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): [10]

Krüger-Brand, Heike E.

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Bei der Fachtagung BMT 2007 ging es vor allem um die fortschreitende Computerisierung, Miniaturisierung und Molekularisierung der biomedizinischen Technik.

Die Medizintechnik ist eine dynamische Wachstumsbranche mit exzellenten Zukunftsaussichten“, erklärte Dr. Klaus-Theo Schröder, Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, bei der Eröffnungsveranstaltung der BMT 2007, der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE (Verband für Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V.; www.bmt2007.de) in Aachen. Laut „VDE-Innovationsmonitor 2007“ ist die Medizintechnik einer der wichtigsten Treiber für Innovationen in Deutschland. Europa und speziell Deutschland führen im Bereich Medizintechnik vor den USA. So räumen mehr als 70 Prozent der Fachleute Deutschland im weltweiten Vergleich die höchste Innovationskraft in der Medizintechnik ein, die USA kommen nur auf 24 Prozent. Auch für die Zukunft sind die Erwartungen optimistisch: Bis 2015 prognostizieren die Experten keine spürbare Veränderung der Spitzenposition Deutschlands.
Rund 600 Experten aus den Bereichen biomedizinische Technik, klinische Medizintechnik, Bioengineering und medizinische Informations- und Kommunikationstechnik – diese Vielfalt spiegelt die ausgeprägte Interdisziplinarität der Branche wider – präsentierten und diskutierten neue Entwicklungen. Beispiel Bioengineering: „Bioengineering ist eine noch relativ junge Disziplin, die Ingenieurswissenschaften mit Themenfeldern wie Genetik, Molekularbiologie, Neurobiologie, Immunologie und Pharmakologie verbindet “, erläuterte Dr. Thomas Becks, Geschäftsführer der VDE-Fachgesellschaft DGBMT. Dabei gelte es auch, „Berührungsängste“ zwischen den alten und neuen Disziplinen in der Medizin abzubauen. Ein Weg dahin könnte darin bestehen, medizintechnische Aspekte stärker in die Medizinerausbildung zu integrieren, wie Schröder anregte. Entsprechende Querschnitts- und Wahlfächer im Bereich Radiologie und Strahlentherapie könnten erste Anreize dafür schaffen, so der Staatssekretär. Die Ausgestaltung der Fächer müsse neue Ergebnisse der Medizintechnik berücksichtigen.
Die ersten Anwendungen des Bioengineering sind vielversprechend, etwa für die Zell- und Gewebetechnik, für die Entwicklung von Biomaterialien für intelligente Implantate sowie für die molekulare Bildgebung. Mit diesem neuen Ansatz lassen sich biologische Prozesse bis hinab auf die zelluläre Ebene sichtbar machen. Mit speziellen Kontrastmitteln ist es beispielsweise möglich, Veränderungen von Eiweißmolekülen zu erkennen. So könnten künftig Krankheiten schon vor dem Auftreten von Symptomen, etwa anhand von Bluttests mit Biomarkern, diagnostiziert und behandelt werden, erläuterte Dr. Paul Smit, Philips Medical Systems. Seine Vision: Eine präventive Medizin und Früherkennung werden an die Stelle der bisherigen „Reparaturmedizin“ treten.
Foto: dpa Mit einem Spezialfräser wird eine künstliche Augenlinse hergestellt, die als Ersatzlinse beim grauen Star verwendet wird – ein Beispiel für Fortschritte in der Medizintechnik.
Foto: dpa Mit einem Spezialfräser wird eine künstliche Augenlinse hergestellt, die als Ersatzlinse beim grauen Star verwendet wird – ein Beispiel für Fortschritte in der Medizintechnik.
Intelligente Implantate bieten neue Chancen insbesondere in der Unfall-, Neuro- und Viszeralchirurgie. Die mit Sensoren, Aktoren und Telemetrieeinrichtungen zum Datentransfer ausgestatteten Prothesen ermöglichen eine individuellere Therapie und können Medikamente zumindest teilweise ersetzen. In der Neurochirurgie geht es unter anderem um neue Ansätze zur Behandlung von Parkinson. An dieser Krankheit leiden allein in Deutschland etwa 250 000 Menschen. Ein implantiertes Stimulationssystem kann zumindest die schweren Bewegungsstörungen erfolgreich behandeln. Eine Elektrode im Thalamus führt bei bis zu 90 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Minderung oder dem völligen Verschwinden des Zitterns in der Körperhälfte, die der operierten Hirnhälfte gegenüberliegt.
Starke Impulse für alle Bereiche gehen von der Mikro- und Nanotechnologie aus, so das Ergebnis des Positionspapiers „Funktionale Mikro-/Nanoimplantate“, das der VDE vorstellte. Künftig werden funktionale Implantate immer häufiger mit Aktoren und Sensoren aus der Mikro- und Nanotechnik versehen sein. Das schafft zusätzliche Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie, weil die Bauteile funkgesteuert sind und ihr Verhalten auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden kann. So lassen sich Therapien individualisieren und damit ihre Wirksamkeit erhöhen. Gezielte Oberflächenstrukturen im Mikro- oder Nanobereich können dazu führen, dass die Implantate eine bessere Bioverträglichkeit aufweisen und sich dadurch die therapeutische Führung des Patienten und seine Lebensqualität verbessern. Heike E. Krüger-Brand
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