SUPPLEMENT: PRAXiS

Arztsuche online: Noten für den Arzt

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): [12]

Krüger-Brand, Heike E.

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Zunehmend mehr Anbieter von Ärzteverzeichnissen stellen zusätzlich zur Adressdatenbank auch anonyme Bewertungen durch Patienten ins Netz – ein nicht unumstrittenes Verfahren.

An Ärzteverzeichnissen im Internet herrscht kein Mangel: Als erste Quellen für Adressdatenbanken kommen die regionalen Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in Betracht. Sie verfügen über die aktuellsten Daten zu Anschriften und Qualifikationen sämtlicher niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Viele der Körperschaften haben Arztsuchdienste aufgebaut, die online für Patienten zugänglich sind, und/oder geben telefonisch Auskunft. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat seit Mitte 2007 eine zentrale Anlaufstelle auf ihrer Homepage (www.kbv.de) eingerichtet. Per Klick auf eine Deutschlandkarte gelangt man zu den Arztsuchen der regionalen KVen. Zusätzlich zu den Kontaktdaten, Sprechstundenzeiten, Fachgebieten und Schwerpunkten bieten einige KVen auch weitere Informationen an, wie etwa besondere Sprachkenntnisse, Angaben zum Praxisstandort mit Anfahrtskizze und Verbindung zum öffentlichen Nahverkehr, Barrierefreiheit und Hinweise auf besonders qualitätsgesicherte Leistungen eines Arztes.
Einige kommerzielle Gesundheitsportale, wie Lifeline, NetDoctor, GesundheitPro.de und Onmeda, greifen auf die Adressdatenbank der Stiftung Gesundheit e.V., Hamburg, zurück, die auch direkt über www.arzt-auskunft.de erreichbar ist. Das seit 1997 online verfügbare Arztverzeichnis enthält inzwischen rund 390 000 Adressen. Der Service der Stiftung Gesundheit ist kosten- und werbefrei. Anhand von rund 1 000 Diagnose- und Therapieschwerpunkten kann der Nutzer nach einem Arzt, Zahnarzt und Psychologischen Psychotherapeuten in seiner Nähe oder nach einem geeigneten Krankenhaus suchen.
Mehr als nur die Adresse
Beispiele für positive Arztbewertungen, gefunden im Web- Portal Helpster
Beispiele für positive Arztbewertungen, gefunden im Web- Portal Helpster
Allerdings sind sämtliche dieser Rechercheplattformen mit einem Nachteil verbunden: Sie haben keinen Empfehlungscharakter und sagen nichts über die Qualität eines Arztes aus. Vor diesem Hintergrund machen in letzter Zeit zunehmend mehr Internetdienste von sich reden, die nicht nur eine Arztsuche ermöglichen, sondern Patienten zusätzlich Gelegenheit geben wollen, Ärzte zu bewerten (Kasten, Seite 14). Künftige Nutzer sollen bei ihren Arztrecherchen von den abgegebenen Bewertungen und Erfahrungen profitieren und sich im Informationsdschungel besser orientieren können.
Aufbau, Struktur und Bewertungssystematik der Plattformen sind dabei unterschiedlich. Mögliche Bewertungskriterien sind die fachliche Einschätzung (zum Beispiel: „Wie beurteilen Sie subjektiv den Erfolg der Behandlung?“), die persönliche Bewertung (etwa „Wie zufrieden waren Sie mit der Betreuung in der Praxis insgesamt?“), die Faktoren wie Gründlichkeit, Freundlichkeit, Wartezeit und Sauberkeit umfasst, sowie eine Gesamtbewertung, die nach dem klassischen Schulnotensystem (Noten von 1 = sehr gut bis 6 = ungenügend) oder durch die Vergabe von Sternen erfolgt. Bei TopMedic etwa können Patienten die fachliche und persönliche Betreuung durch ihren Arzt nach fünf Bewertungskategorien beurteilen und zusätzlich in einem Freitextfeld ihre Eindrücke schildern. Das Bewertungssystem von jameda umfasst fünf Pflichtfragen und neun optional zu beantwortende Fragen, die in Form von Schulnoten ausgewertet werden.
„Der überragende Teil der Bewertungen ist klar positiv“, so die Geschäftsführerin von TopMedic. Diese Zufriedenheit drückt sich aus in lobenden Beschreibungen, wie „nimmt sich Zeit für den Patienten, Fragen werden immer ausführlich beantwortet, eine gute Praxisorganisation (keine ewigen Wartezeiten), in Notfällen wirklich immer erreichbar“, „hört gut zu und beantwortet Fragen so, dass man sie als Laie versteht“, für die die betreffenden Ärzte mit der Höchstzahl von fünf Sternen ausgezeichnet wurden. Daneben sind jedoch auch Einschätzungen zu finden wie „oberflächliche Untersuchung“, „Beruf verfehlt“, „Unfreundlichkeit des Arztes“ und „fehlende Kompetenz“, bei denen die Ärzte mit lediglich einem Stern abgestraft wurden.
Kritiker der Portale geben zu bedenken, dass zwar die bewerteten Ärzte mit vollständiger Adresse genannt werden, die bewertenden Patienten hingegen anonym bleiben und die Authentizität der Kommentare somit nicht überprüft werden kann. Auch werden die betroffenen Ärzte nicht darüber informiert, dass sie in einem Ranking oder einer Bewertung aufgeführt sind. Darüber hinaus lässt sich ein Missbrauch der anonymen Bewertungsportale nicht völlig ausschließen, etwa um Konkurrenten bei Patienten zu diskreditieren. Einige Anbieter, wie TopMedic und jameda, verweisen darauf, dass sie technische und organisatorische Betrugssicherungen installiert haben, die automatisierte Eintragsversuche erkennen und abwehren können. So lässt Jameda in einem bestimmten Zeitraum nur eine begrenzte Zahl von Bewertungen desselben Arztes durch einen User zu, um Manipulationen auszuschließen. TopMedic weist darauf hin, dass Bewertungen redaktionell geprüft und Verunglimpfungen oder mutmaßlich unwahre Äußerungen sofort entfernt werden.
Subjektive Wahrnehmung
Eine grundsätzliche Krux der Angebote besteht außerdem darin, dass derzeit in der Regel nur Einzelmeinungen, in seltenen Fällen auch einmal zwei oder drei Bewertungen zu einem Arzt vorliegen. Dazu heißt es etwa bei TopMedic: „Jede einzelne Bewertung ist eine individuelle Meinungsäußerung. Da die Erwartungen der einzelnen Patienten in einem sehr weiten Spektrum divergieren, kann natürlich keine einzelne Meinung eine Allgemeingültigkeit beanspruchen.“ Erst aus einer Vielzahl von Bewertungen lassen sich jedoch aussagekräftige Bewertungen herauslesen. Daher appelliert beispielsweise der Plattformbetreiber Helpster an die Nutzer, von der Möglichkeit der Benotung auch Gebrauch zu machen, denn letztlich basiere das Angebot auf dem „Prinzip der Gegenseitigkeit, das heißt, das Netzwerk kann nur funktionieren, wenn Mitglieder nicht nur Beiträge abrufen, sondern auch eigene Erfahrungen einbringen.“ Dort sind sogar Honorarüberweisungen für besonders hilfreiche und/oder interessante Beiträge anderer Mitglieder als „Belohnung“ über das Online-Zahlungssystem Pay- Pal möglich, um die Nutzer zur aktiven Mitarbeit zu animieren.
Qualitätssiegel
Erst die Masse macht’s: Nur wenn mehrere Bewertungen zu einem Arzt in einem Portal zu finden sind, lässt sich daraus möglicherweise ein aussagekräftiges Bild gewinnen.
Erst die Masse macht’s: Nur wenn mehrere Bewertungen zu einem Arzt in einem Portal zu finden sind, lässt sich daraus möglicherweise ein aussagekräftiges Bild gewinnen.
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Das Qualitätsproblem bei der Arztsuche ist inzwischen auch ein Thema für die KBV. Geht es nach dem Willen von KBV-Vorstand Dr. med. Andreas Köhler, wird es in etwa zwei Jahren ein „Deutsches Gesundheitssiegel“ geben, das alle Ärzte erhalten sollen, die nachweislich gute Qualität anbieten. „Der Versicherte soll erkennen: Das ist eine geprüfte Praxis“, so Köhler. Wer detaillierte Informationen wolle, solle im Internet zum Beispiel nachlesen können, wie viele Darmspiegelungen und Patientenbefragungen ein Arzt durchführe und wie er bei den Umfragen abschneide. Um dieses Ziel umzusetzen, hat die KBV das Projekt „AQUIK“ (Ambulante Qualitätskriterien und Kennzahlen; Informationen unter www.kbv.de/themen/ aquik.html) gestartet. Darin soll ein Indikatorenset entwickelt werden, mit dem die Qualität der Arbeit niedergelassener Ärzte sicht- und messbar gemacht werden soll. Untersucht wird dabei auch eine Koppelung an die Honorare.
Bis zur Einführung des Siegels sind jedoch noch rechtliche Fragen zu klären. Auch müssen viele Ärzte wohl erst noch davon überzeugt werden, dass dieses Vorhaben für sie nicht mit zusätzlichen Dokumentationspflichten verbunden sein wird. Heike E. Krüger-Brand



Arzt-Bewertungsportale
(Beispiele)

www.helpster.de: An der Ende 2005 gestarteten Plattform der Helpster GmbH, München, ist seit Dezember 2006 die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck mit ihrer Tochtergesellschaft Holtzbrinck eLAB beteiligt. Der Arztatlas umfasst rund 120 000 Arztadressen.
www.imedo.de: Das Verzeichnis der im Mai 2007 online geschalteten Plattform enthält mehr als 150 000 Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apotheken. Nutzer der (kostenfreien) Plattform müssen sich registrieren lassen. Das Portal ergänzt seine Datenbank außerdem mit Angaben zu Zertifikaten, die Ärzte nach dem Qualitätsmanagementverfahren QEP der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und/oder dem Europäischen Praxisassessment der Stiftung Praxissiegel e.V. erworben haben.
www.jameda.de: Die Datenbank der jameda GmbH, München, umfasst rund 300 000 Adressen medizinischer Fachkreise, darunter mehr als 170 000 Ärzte und rund 125 000 Vertreter sonstiger Heilberufe.
www.topmedic.de: Das im März 2007 gestartete Portal der ArztData GmbH, Hamburg, bietet Ärzten einen kostenfreien Basiseintrag in die eigene Datenbank, in der nach Angaben des Betreibers rund 90 Prozent der niedergelassenen Ärzte erfasst sind. Ärzte können sich auch aus dem Verzeichnis löschen lassen.
www.checkthedoc.de: Das seit Ende 2001 online geschaltete Angebot der RKK Rudolf GmbH, München, mit einer bundesweiten Suche und Bewertung von Ärzten hat nach öffentlicher Kritik und „Zweifel an der Integrität der Ärzteschaft“ das Angebot eingestellt und überarbeitet zurzeit die Konzeption.
www.patienten-empfehlen-aerzte.de: Die sowohl für Patienten als auch für Ärzte kostenfrei zugängliche Plattform, die von Almiro Gesundheitsinformationen betrieben wird, enthält eine Datenbank von rund 160 000 niedergelassenen Ärzten.

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