ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2007Vermögensaufbau: Auf die Mischung kommt es an

SUPPLEMENT: PRAXiS

Vermögensaufbau: Auf die Mischung kommt es an

Dtsch Arztebl 2007; 104(45): [22]

Merkl, Joachim

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Anlageprofil: Risikobewusst, renditeorientiert, langfristiger Anlagehorizont, diversifiziert
Anlageprofil: Risikobewusst, renditeorientiert, langfristiger Anlagehorizont, diversifiziert
Mit der richtigen Strategie müssen auch sicherheitsbewusste Anleger nicht auf gute Renditen verzichten.

Viele Ärztinnen und Ärzte stehen vor der schwierigen Frage, wie und wo sie ihr Kapital möglichst rentabel anlegen sollen. Bei der Vielfalt des Angebots an den Kapitalmärkten fällt es den meisten schwer, die richtige Anlageentscheidung für sich zu treffen. Allein in Deutschland sind mehr als 6 000 Investmentfonds registriert und rund 1 000 Aktienwerte an den Börsen notiert.
Welche Anlage die richtige ist, kann nur individuell beurteilt werden. Während der eine möglichst sichere Investments bevorzugt, steht für den anderen eine hohe Gesamtrendite im Vordergrund. Setzt der gewinnorientierte Anleger auf das falsche Pferd, so geht er ein nicht mehr steuerbares Risiko ein. Der sicherheitsbewusste Anleger hingegen schöpft die Chancen des Kapitalmarkts nur unzulänglich aus.
Im Idealfall sollte das vorhandene Kapital sicher angelegt sein und attraktive Renditen abwerfen. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich durch ein intelligent aufgebautes Finanzportfolio mit ausreichendem Risikopuffer erreichen.
Anlageprofil: gemäßigt risikobewusst, zunehmend sicherheitsorientiert, mittlerer Anlagehorizont, ausgewogenes Portfolio
Anlageprofil: gemäßigt risikobewusst, zunehmend sicherheitsorientiert, mittlerer Anlagehorizont, ausgewogenes Portfolio
Für eine wirkungsvolle Risikostreuung ist es erforderlich, risikoarme mit risikoreichen Papieren zu kombinieren. Auf diese Weise kann der Anleger die Substanz seines Kapitaleinsatzes erhalten, ohne die Aussicht auf gute Erträge zu schmälern. Ausschlaggebend sind dabei sein individuelles Sicherheitsbedürfnis sowie die Risikobereitschaft.
Über die Zusammenstellung des Portfolios entscheidet die „Asset Allocation“. Darunter versteht man die Strukturierung des Vermögensaufbaus nach Anlage- oder Assetklassen, wie etwa Aktien, Anleihen oder Immobilien. Dabei werden neben dem Chance-Risiko-Verhältnis einer Anlage auch subjektive Kriterien wie Anlageziele, Anlagehorizont, Risikobereitschaft und finanzielle Situation des Anlegers berücksichtigt. Von der Bewertung dieser Faktoren hängt es ab, wie die einzelnen Investmentformen im Portfolio vertreten und gewichtet sind.
In einem gut zusammengestellten Portfolio sind Produkte, Märkte und Laufzeiten breit gestreut: Aktienfonds, Versicherungen, Rentenfonds, Bausparverträge, Bundeswertpapiere, Zertifikate, Auslandsanleihen, Tagesgelder und Sparbücher. Der eine Teil mit den eher riskanteren Anlagen wie etwa Aktien oder Zertifikaten sorgt für die Rendite, der andere Teil, dazu zählen Zinspapiere wie Bundesschatzbriefe, sorgt für die Sicherheit.
Neben der Wahl des richtigen Finanzprodukts und der Gesamtrendite kommt es auf den Anlagemix an. Eine allgemein gültige Empfehlung für alle Fälle kann es nicht geben. Denn jedem Bedarf liegt eine persönliche Lebenssituation zugrunde. Ein 30-jähriger Single hat andere Anlageziele als eine junge Familie mit Kindern oder ein älteres Ehepaar, das den Ruhestand vorbereitet. Deshalb sollten sich Anleger vor einer Anlageentscheidung darüber im Klaren sein, wie viel Risiko sie eingehen wollen (siehe Tabellen).
Anlageprofil: geringe Risikoneigung, vorwiegend sicherheitsorientiert, kurzfristiger bis mittlerer Anlagehorizont, ausreichende Liquidität (50 %)
Anlageprofil: geringe Risikoneigung, vorwiegend sicherheitsorientiert, kurzfristiger bis mittlerer Anlagehorizont, ausreichende Liquidität (50 %)
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Wer in jungen Jahren mit seinem Vermögensaufbau beginnt, kann eine offensive Strategie verfolgen. Man holt sich einen Großteil Aktien ins Depot, um das Gewinnpotenzial an den Börsen auszuschöpfen. Etwaige Kursverluste können notfalls über Jahre ausgesessen werden. Mit fortschreitendem Alter verändern sich die Lebensumstände und damit auch die Prioritäten bei der Kapitalanlage. Im Rentenalter hat die Sicherung des Vermögens Priorität. Schwankungen an der Börse können nicht mehr so leicht aufgefangen werden. Folglich werden die Aktien geringer gewichtet und statt dessen festverzinsliche Anlagen bevorzugt.
Wer sich nicht selbst um die Zusammensetzung seines Portfolios kümmern will, der kann auch in einen Lebenszyklusfonds investieren. Diese gewichten ihr Portfolio variabel. Dabei wird das Fondsvermögen kontinuierlich angepasst und umgeschichtet. Faustregel: Je älter der Anleger, umso mehr achtet das Fondsmanagement auf sichere Anlagen.
Aktien unentbehrlich
Wer sein Geld möglichst rentabel investieren will, kommt an Aktien nicht vorbei. Bieten doch die Dividendenwerte im langjährigen Durchschnitt immer noch die besten Renditen und schlagen andere Assets um Längen. In den letzten 30 Jahren erzielten Anleger im Schnitt 9,3 Prozent Rendite. Aktien sind demnach für den Wertzuwachs im Portfolio nahezu unentbehrlich, wohingegen Zinsanlagen dem Kapitalerhalt dienen.
Der Münchner Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt favorisiert derzeit bei der Anlage in Aktien die Value-Strategie. Er empfiehlt, „lieber auf Wachstumswerte mit der risikobehafteten Aussicht auf überdurchschnittliche Rendite verzichten und statt dessen in stabile Substanzwerte investieren.“ Dabei räumt er deutschen und europäischen Standardwerten die größten Chancen ein. Nach Ehrhardts Ansicht bieten neben europäischen Aktien auch Börsenwerte einiger Schwellenländer (Emerging Markets) ausreichend Potenzial. Er hebt besonders Hong- kong-Aktien mit Chinageschäft hervor: „Diese Aktien werden analystisch günstig bewertet, da hier die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen interessant sind.“
Indexfonds mit Potenzial
Vor allem mit dem Blick auf die eigene Altersvorsorge empfiehlt Ehrhardt sicherheitsbewussten Anlegern, sich Blue Chips, dabei handelt es sich um Aktien großer Unternehmen, in ihr Wertpapierdepot zu holen: „Neben einer attraktiven Rendite bieten diese Aktien auch ein hohes Maß an Sicherheit.“ Vor allem deutsche Aktien seien noch unterbewertet und böten deshalb zurzeit gute Chancen für den Einstieg. Um potenzielle Anlagerisiken so breit wie möglich zu streuen, sollten Anleger statt der Direktanlage in Aktienfonds investieren. „Indexfonds, etwa auf den DAX oder den EuroStoxx, haben das meiste Potenzial“, glaubt Ehrhardt. Joachim Merkl

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