ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Immunsuppression: erhöhte Teratogenität

AKTUELL: Akut

Immunsuppression: erhöhte Teratogenität

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3138 / B-2762 / C-2666

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Daten aus Registern zu Schwangerschaften nach Organtransplantation belegen konkrete Risiken für Spontanaborte, Frühgeburten, Fehlbildungen und Entwicklungsverzögerung bei einer Basisimmunsuppression mit Mycophenolatmofetil (MMF, CellCept®) und Sirolimus. Das hat Prof. Dr. med. Dianne McKay (La Jolla) bei der Jahrestagung der American Society of Nephrology in San Francisco berichtet. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat deshalb die Sicherheitshinweise für MMF verschärft. Auch in Deutschland und Europa werden die Fachinformationen in Kürze verändert. Ein Rote-Hand-Brief wird darüber informieren. Bis dato wurde ein Teratogenitätsrisiko für CellCept von der FDA nicht ausgeschlossen (Kategorie C). Jetzt erfolgt die Eingruppierung in eine höhere Risikostufe (Kategorie D); das bedeutet, dass es Hinweise auf Teratogenität bei der Anwendung am Menschen gibt. Hintergrund sind neue Daten aus dem US-amerikanischen National Transplantation Pregnancy Registry. Von 33 Schwangerschaften während MMF-Therapie kam es bei 15 zum Spontanabort (45 Prozent). 18 Kinder kamen lebend zur Welt, von ihnen hatten vier Fehlbildungen (22 Prozent), vor allem im Kopfbereich (Mikrotie, Lippen-Gaumen-Spalte) und an den Fingern. Ein Kind starb postpartal mit mehreren Fehlbildungen.
MMF durch Azathioprin ersetzen
Zwischen 1995 und 2007 sind firmeneigene Postmarketing-Daten von 77 Frauen erhoben worden, die unter systemischer MMF-Therapie schwanger geworden sind, heißt es in der neuen Fachinformation für den US-Markt. 25 Feten gingen verloren, 14 Kinder waren fehlgebildet, davon sechs im Kopfbereich. Die Daten geben allerdings nicht die statistische Häufigkeit von Komplikationen während der Schwangerschaft unter MMF-Therapie wieder, da sie auf freiwilligen Berichten basieren. Zum Vergleich: In Europa gibt es dafür das Register der European Dialysis and Transplant Association (EDTA).
Schwangerschaften nach Organtransplantation sind häufig „und bei stabiler Transplantatfunktion und unter Berücksichtigung möglicher individueller Risken für viele Frauen vertretbar“, sagte McKay, wobei MMF durch Azathioprin ersetzt und Steroide möglichst niedrig dosiert werden sollten. Für Sirolimus gebe es zwar weniger Daten, diese wiesen aber auf ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte hin, vermutlich durch einen gestörten Transport von Nährstoffen durch die Placenta, sodass auch diese Substanz vermieden werden sollte, betonte McKay.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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