ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007OECD-Gesundheitsdaten: Angemessene Vergütung wird verweigert
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Vielen Dank für Ihren Artikel zu den aktuellen OECD-Gesundheitsdaten; diese belegen die derzeit kaum steigenden Ausgaben im deutschen Gesundheitssystem im internationalen Vergleich. Zehn deutsche Facharztverbände hatten im April 2007 das Gutachten „Effiziente Strukturen ärztlicher Versorgung“ vorgelegt. Dieses war vom IGES-Institut in Berlin in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Bert Rürup erstellt worden. Zusammenfassend wurde in diesem Gutachten festgestellt:
- Deutschland hat keine besonders hohe Facharztdichte.
- Die Ausgaben für ambulante Behandlungen sind in Deutschland im internationalen Vergleich relativ niedrig.
­- Es gibt keine signifikanten Belege für medizinisch nicht indizierte Doppel- und Mehrfachuntersuchungen im Rahmen der ambulanten fachärztlichen Versorgung.
- Die niedergelassenen Fachärzte werden auch künftig benötigt, um eine gute Versorgung der Bevölkerung – auch in die Fläche – sicherzustellen (dies wurde inzwischen auch vom BMG erkannt).
- Die chronische Unterfinanzierung der ambulanten ärztlichen Tätigkeit muss vordringlich beseitigt werden. Ein Drittel der Arbeit in den Praxen wird nicht vergütet – das ist nicht akzeptabel.
- Wir unterstützen Herrn Professor Rürup in seiner Forderung nach „Gleich langen Spießen“. Nur „gleiches Geld für gleiche Leistung“ ermöglicht einen fairen Wettbewerb der Versorgungsformen und damit letztlich eine Überwindung der Sektorengrenzen.
Diese Bewertungen können uns Ärzte eigentlich erfreuen. Andererseits ist es unerträglich, wenn die Krankenkassen in den aktuellen Verhandlungen mit der KBV einen eigenen Entwurf einer Gebührenordnung vorlegen, der die bisherige Vergütung der Leistungen auf die Hälfte (!) reduziert. Dies ist nach Auffassung der Fachärzte geradezu sittenwidrig. Qualitativ gute Leistungen müssen angemessen bzw. gut bezahlt werden. Diese angemessene Bezahlung wird uns seit bald 15 Jahren verweigert (Budgets). Hierdurch sind ca. ein Drittel der Facharztpraxen in finanziellen Nöten und stehen „mit dem Rücken zur Wand“, sagen manche Banken. Mir stellt sich hier die Frage, ob wir im internationalen Vergleich nicht auch deshalb so „günstig“ abschneiden, weil uns die Kassen eine angemessene Vergütung verweigern? Vielleicht hat die KBV mit dem errechneten Mehrbedarf von 18,2 Milliarden Euro doch recht? Eine qualitativ gute Versorgung kostet Geld. Die „Geiz ist geil“-Kampagne der Krankenkassen schadet den kranken Menschen in unserem Land. Wir Ärzte müssen hier entschieden Widerstand leisten.
Dr. med. Michael P. Jaumann, 1. Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V., Haart 221, 24539 Neumünster
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