ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Brustdiagnostik: Vorsicht bei MRT zum Brustkrebs-Screening
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Mit zunehmendem Alter haben viele von uns kleine Malignome, ohne es zu wissen. Das gilt auch für Brustkrebs in Carcinoma (Ca.) -in-situ-Stadien nach einer Autopsiestudie an 40- bis 50-jährigen Frauen. Jede dritte Frau war davon betroffen. Alle autopsierten Frauen hatten keine Malignom-Erkrankung bzw. -Anamnese. In dieser Altersgruppe wird sonst bei einem Prozent Brustkrebs diagnostiziert. Das ist bei Brustkrebs-Screening mit MRT-Ergänzung zu diskutieren. Wie oft werden die mehr entdeckten duktalen Ca. in situ klinisch relevant und lebensgefährlich? Diese Frage ist realitätsbezogen: In allen Autopsien von 50- bis 70-Jährigen findet man Ca.-in-situ-Befunde in der Schilddrüse. Nur 0,1 Prozent in dieser Altersgruppe erkrankt an Schilddrüsenkrebs. Auch von Zervix und Prostata ist bekannt, dass Ca.-in-situ-Befunde nicht zwangsläufig zum klinischen Krebs führen (ohne auf die unterschiedlichen Tumorbiologien einzugehen). Wird künftig MRT zusätzlich zum Screening eingesetzt und werden mehr Ca. in situ entdeckt (bei diffizilerer Technikentwicklung evtl. bei jeder dritten Frau?), sind Nutzen-Risiko-Diskussionen angezeigt. Analog sei an die anfängliche Euphorie beim PSA-Screeningtest erinnert. Wie viele Überdiagnosen wurden gestellt, bzw. Gesunde klinisch zu Krebspatienten gemacht, ohne Risiko, an Prostatakrebs zu sterben bzw. Beschwerden zu haben. Dieser Test ist sicher unspezifisch. Trotzdem stellt sich beim „spezifischeren“ Ca. in situ die Frage, ob dessen Entdeckung mit MRT-Screening-Diagnostik automatisch einen generellen Fortschritt darstellt. Bereits jetzt fragen Frauen nach MRT für Screeningzwecke, ohne jenen fünf Prozent anzugehören, die ein genetisches Brustkrebsrisiko haben.
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein, Universitätsfrauenklinik Ulm, Prittwitzstraße 41–43, 89075 Ulm
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige