ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Krebsregister: Krebsregister bereits realisiert
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In dem oben genannten Artikel wird festgestellt, dass die aktuell in der EUROCARE-4-Studie veröffentlichten Überlebensraten nach Krebs für Deutschland beklagenswerterweise nur auf den Daten des Saarlands (ein Prozent der deutschen Bevölkerung) beruhen. Dies trifft zu, die Gründe dafür sind aber nicht genannt . . . Völlig unberücksichtigt bleibt dabei, dass sich die EUROCARE-4-Studie auf Patienten bezieht, die im Zeitraum von 1995 bis 1999 erkrankt waren. Gerade in diesem Zeitraum wurde mit dem Inkrafttreten des Bundeskrebsregistergesetzes überall in Deutschland damit begonnen, bevölkerungsbezogene Krebsregister einzurichten. Die im Artikel geforderte Konsequenz, Krebsregister bundesweit einzuführen, ist somit bereits erfüllt. Heute gibt es in allen Bundesländern Gesetze zur flächendeckenden Erfassung von Krebspatienten. Der Erfassungsgrad ist in weiten Bereichen ausgezeichnet, in manchen Bereichen noch verbesserungsfähig. Zusätzlich wurden die klinischen Krebsregister und Tumorzentren als Instrumente zur onkologischen Qualitätssicherung und als Basis der bevölkerungsbezogenen Registrierung von Tumorpatienten weiter gestärkt und ausgebaut und decken im Augenblick schon einen großen Teil der deutschen Bevölkerung ab . . . Vor der Forderung nach einem zentralen Register kann nur gewarnt werden . . . Selbst die skandinavischen Länder mit deutlich geringeren Bevölkerungszahlen als Deutschland arbeiten auf der Basis von dezentralen Krebsregistern. Auch in Österreich (8,2 Millionen Einwohner) wird die Flächendeckung durch drei regionale Krebsregister realisiert . . . Eine zentrale Datenauswertung der Krebsregisterdaten für Deutschland ist am Robert Koch-Institut mit der Dachdokumentation Krebs bereits seit Jahren installiert. Die im Artikel zitierten Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), Prof. Gerhard Ehninger, sind mehr als erstaunlich. Gerade der DGHO müsste bekannt sein, dass in 13 von 16 Bundesländern bereits eine Art von Meldepflicht besteht . . . Bereits im Jahr 2004 hat die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) festgestellt, dass Leukämien und Lymphome (eine Domäne der Hämatoonkologen) zu den am schlechtesten gemeldeten Tumoren überhaupt gehören. Daraufhin hat GEKID mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit eine Informationskampagne gestartet und alle Hämato-onkologen in Deutschland angeschrieben. Das Ergebnis war ernüchternd. Noch immer gehören Leukämien und Lymphome trotz der bestehenden Meldepflicht in vielen Bundesländern zu den schlecht gemeldeten Tumorarten . . .
Für die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.:
Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Katalinic, Institut für Krebsepidemiologie e.V. an der Universität Lübeck, Beckergrube 43–47, 23552 Lübeck
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