ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Zufallsbefunde bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung. Ethische Überlegungen und Lösungsvorschläge: Grundlage ist die Aufklärung

MEDIZIN: Diskussion

Zufallsbefunde bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung. Ethische Überlegungen und Lösungsvorschläge: Grundlage ist die Aufklärung

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3185 / B-2802 / C-2704

Hentschel, F.

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LNSLNS Mit Interesse habe wir den Artikel von Heinemann et al. gelesen, weil wir mit Erfahrungen in der diagnostischen und wissenschaftlichen Bildgebung und der Kooperation mit nichtzertifizierten (in Deutschland: radiologisch nichtfachkundigen) und nichtärztlichen Forschern bereits in 2006 eine Arbeit zum gleichen Thema veröffentlicht haben (1).
Voraussetzung für die Diskussion um die Ethik des inzidenten Befundes sind dessen Erkennung und die damit verbundenen Rechtspflichten. In dem Zusammenhang ist der im Artikel verwendete Begriff „Patientenproband“ kontraproduktiv. Die Bildgebung des „Patienten“ erfolgt auf der Grundlage eines Behandlungsvertrages – ansonsten ist Körperverletzung zu unterstellen – und impliziert einen diagnostischen Auftrag. Dem wird per Berufsordnung der radiologisch fachkundige Arzt, also der (Neuro-)Radiologe und der Nuklearmediziner gerecht. Dagegen wird die Bildgebung beim „Probanden“ mit einer Einwilligungserklärung sanktioniert, die expressis verbis den Auftrag einer Befundermittlung verneinen kann. Damit liegt die Problematik in der Aufklärung zur Untersuchung, die diese Aspekte sauber trennen muss. Unserem Text wurde Rechtsunbedenklichkeit testiert
(1). Dem fachkundigen (Neuro-)Radiologen oder Nuklearmediziner kann danach die Studienbildgebung oder eine zusätzlich zu fertigende T2w-Bildgebung vorgelegt werden (2). Alternativ wird dem informationellen Selbstbestimmungsrecht Rechnung getragen, wenn dem Probanden mit Übergabe der Bildgebung auf CD-ROM die Auswertung durch einen fachkundigen Arzt ermöglicht wird.
In den USA wird die Einbeziehung eines zertifizierten Arztes gefordert und mit dem Anspruch verknüpft, dass dieser auch Spontanverlauf und Prognose eines inzidenten Befundes beurteilen kann, um eine ungerechtfertigte Beunruhigung des Probanden und Ausweitung der Diagnostik zu vermeiden. Da inzidente Befunde ein Studienergebnis verfälschen können, wird die Einbeziehung eines zertifizierten Arztes auch mit der Sorge um das Ansehen der Wissenschaft verbunden (3).

Prof. Dr. F. Hentschel
Zentralinstitut für seelische Gesundheit
Abteilung Neuroradiologie
Fakultät klinische Medizin Mannheim, Universität Heidelberg
J5, 68159 Mannheim
E-Mail: Frank.Hentschel@zi-mannheim.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Hentschel F, Klix WE: Management inzidenter Befunde in der bildgebenden Diagnostik und Forschung. Fortschr Neurol Psychiatrie 2006; 74: 651–3. MEDLINE
2.
Persönliche Mitteilung, Prof. Dr. P. Stoeter, Mainz.
3.
Illes J, Kirschen MP, Karetsky K et al.: Discovery and disclosure of incidental findings in neuroimaging. J Magn Res Imaging 2004; 20: 743–7. MEDLINE
1. Hentschel F, Klix WE: Management inzidenter Befunde in der bildgebenden Diagnostik und Forschung. Fortschr Neurol Psychiatrie 2006; 74: 651–3. MEDLINE
2. Persönliche Mitteilung, Prof. Dr. P. Stoeter, Mainz.
3. Illes J, Kirschen MP, Karetsky K et al.: Discovery and disclosure of incidental findings in neuroimaging. J Magn Res Imaging 2004; 20: 743–7. MEDLINE

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