ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Zufallsbefunde bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung. Ethische Überlegungen und Lösungsvorschläge: Recht auf ärztliche Begutachtung

MEDIZIN: Diskussion

Zufallsbefunde bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung. Ethische Überlegungen und Lösungsvorschläge: Recht auf ärztliche Begutachtung

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3185 / B-2802 / C-2704

Fitzek, Clemens

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LNSLNS Hier wird in den Grundsätzen für Handlungsempfehlungen die Ansicht vertreten, die fachliche Expertise eines klinischen Neuroradiologen könne keine prinzipielle Voraussetzung für die Durchführung einer Forschungsstudie am Gehirn sein.
Hier soll die kontroverse Ansicht vertreten werden: Eine sehr gute neurowissenschaftliche Studie ist ohne neuroradiologische Expertise nicht vorstellbar.
Bei den geringen Messwertunterschieden, die in der Regel erst in Gruppenstatistiken erkennbar werden, ist vor Auswertung der Daten sicherzustellen, dass keine Veränderungen vorliegen, die die Normalverteilung der Daten empfindlich stören. Automatisierte Datennachverarbeitung kann nicht die kritische ärztliche und neuroanatomische Analyse der Probandengehirne ersetzen. Dies betrifft sowohl die funktionelle MRT (fMRT), als auch die Diffusionsbildgebung mit Tensor-Bildgebung sowie die Messung zerebraler Durchblutung und die
Volumetrie.
In allen genannten Bereichen kommen zum Teil erheblich artefaktanfällige Sequenzen zum Einsatz und die Interpretation der Daten kann schon bei harmlosen Nebenbefunden wie Verkalkungen und Arachnoidalzysten erschwert oder gestört werden.
Zumindest in einer kritischen Ergebnisdiskussion sollte mit Sicherheit ausgeschlossen werden können, dass Artefakte oder krankhafte Läsionen der Probandengehirne die Ergebnisse erklären oder beeinflussen. Jegliche unkritische „Black-box-Auswertung“ sollte der Vergangenheit angehören.
Probanden haben zwar keinen Anspruch auf eine Wahl der Sequenzen zum Ausschluss jedweder krankhafter Veränderung im Gehirn. Sie haben aber sehr wohl das Recht, dass die hochaufgelösten und sehr exakten Aufnahmen ihres Gehirnes ärztlich begutachtet werden. Eine Beteiligung von neuroradiologisch erfahrenen Ärzten (ob Radiologe, Neuroradiologe oder Arzt anderer Fachrichtung soll hier nicht diskutiert werden) an neurowissenschaftlicher MRT-Forschung erscheint auch ethisch zwingend und würde viele Probleme, die hier diskutiert wurden, lösen. Dies ist in vielen renommierten Forschungseinrichtungen glücklicherweise schon lange etabliert.

PD Dr. med. Clemens Fitzek
ASKLEPIOS Fachklinikum Brandenburg
Anton-Saefkow-Allee 2
14772 Brandenburg an der Havel
E-Mail: c.fitzek@asklepios.com

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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