ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Anti-Aging-Medizin: Hoffnung oder Humbug? Gesundheitsrisiko

MEDIZIN: Diskussion

Anti-Aging-Medizin: Hoffnung oder Humbug? Gesundheitsrisiko

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3187 / B-2804 / C-2706

Dören, Martina

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LNSLNS Die Ausführungen zur „erweiterten Hormonersatztherapie“ (Zitat) sind nicht nachvollziehbar, weil offensichtlich publizierte Statistiken fehlinterpretiert wurden. Das relative Risiko für invasiven Brustkrebs war im Östrogenarm der WHI-Studie zwar geringer, aber im Vergleich zu Placebo nicht signifikant („Hazard ratio“ [HR] 0,80, Konfidenzintervall [KI] 0,62 bis 1,04; [1, Tabelle 3]). Im Unterschied dazu ist der Risikoanstieg im Östrogen-Gestagen-Arm signifikant (Referenz der Primärveröffentlichungen bei [1]). Unterschiedliche Effekte von Östrogen- beziehungsweise Östrogen-Gestagen-Therapien sind sowohl für Brust- als auch für Ovarialkarzinom in Metaanalysen gezeigt worden (2).
Die Daten der WHI-Studie geben es nicht her, „dass bei einem frühen Beginn der HRT das Herzinfarktrisiko durchaus gesenkt werden konnte“. In der Altersgruppe der 50- bis 59-jährigen Frauen bewirkte eine Östrogen-Gestagen-Therapie keine Verringerung des relativen Risikos für koronare Herzerkrankung (HR 1,29, KI 0,79 bis 2,12, nicht signifikant [3, Tabelle 4]). In der gleichen Altersgruppe zeigte sich für den Östrogenarm ebenfalls keine Senkung des relativen Risikos (HR 0,63, KI 0,36 bis 1,09, nicht signifikant [3, Tabelle 4]). Diese Sekundäranalyse (3) und die darin referenzierten Veröffentlichungen aus den WHI-Studien seit 2002 zeigen, dass die Primärhypothese – Prävention koronarer Herzerkrankungen – verworfen werden muss.
Die Erhöhung des relativen Risikos für Schlaganfälle in beiden Studienarmen (HR für beide Studienarme gepoolt 1,32, KI 1,12 bis 1,56, signifikant) ist offenbar unabhängig von Lebensalter und Menopausealter ([3]) sowie darin zitierte Primärveröffentlichungen), warum blieb dies unerwähnt? Wo ist das „zeitliche Fenster“, das einen risikoärmeren Beginn einer menopausalen Hormontherapie hinsichtlich der kardiovaskulären Effekte ermöglichen soll? Menopausale Hormontherapie ist zwecks sogenannten Anti-Agings ungeeignet, weil mit ernsthaften gesundheitlichen Risiken behaftet.

Prof. Dr. med. Martina Dören
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Professur Frauenforschung und Osteologie
12200 Berlin
E-Mail: Martina.Doeren@charite.de

Interessenkonflikt
Die Autorin ist Mitglied eines Beratungsgremiums der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Datenbank „Frauengesundheit und gesundheitliche Aufklärung“; www.frauengesundheitsportal.de
1.
Stefanick ML, Anderson GL, Margolis KL, Hendrix SL, Rodabough RJ, Paskett ED et al.: Effects of conjugated equine estrogens on breast cancer and mammography screening in postmenopausal women with hysterectomy. JAMA 2006; 295: 1647–57. MEDLINE
2.
Greiser CM, Greiser EM, Dören M: Menopausal hormone therapy and risk of ovarian cancer – Systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update 2007; ePub ahead of print June 27. MEDLINE
3.
Rossouw JE, Prentice RL, Manson JE, Wu L, Barad D, Barnabei VM et al.: Postmenopausal hormone therapy and risk of cardiovascular disease by age and years since menopause. JAMA 2007; 297: 1465–77. MEDLINE
1. Stefanick ML, Anderson GL, Margolis KL, Hendrix SL, Rodabough RJ, Paskett ED et al.: Effects of conjugated equine estrogens on breast cancer and mammography screening in postmenopausal women with hysterectomy. JAMA 2006; 295: 1647–57. MEDLINE
2. Greiser CM, Greiser EM, Dören M: Menopausal hormone therapy and risk of ovarian cancer – Systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update 2007; ePub ahead of print June 27. MEDLINE
3. Rossouw JE, Prentice RL, Manson JE, Wu L, Barad D, Barnabei VM et al.: Postmenopausal hormone therapy and risk of cardiovascular disease by age and years since menopause. JAMA 2007; 297: 1465–77. MEDLINE

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