ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Anti-Aging-Medizin: Hoffnung oder Humbug? Schnelle Vorteilnahme

MEDIZIN: Diskussion

Anti-Aging-Medizin: Hoffnung oder Humbug? Schnelle Vorteilnahme

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3188 / B-2805 / C-2707

Koch, Christian A.

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LNSLNS Die jetzige Popularität der „Anti-Aging-Medizin“ ist sicher auch auf die nur noch kleine Anzahl von Leuten zurückzuführen, die eine „humanistische“ Schulbildung und Lebenseinstellung erhalten, weil die meisten Mitbürger eher auf schnelle Vorteilnahme bedacht sind, anstelle sich damit abzufinden, dass dauerhafte „Früchte“ auf harter Arbeit und Ausdauer basieren.
Das Motto „Mens sana in sano corpore“ gilt heute mehr denn je. Einige Bundesländer versuchen Anreize zu finden, damit wieder mehr Kinder eine humanistische Gymnasialbildung durchlaufen. Das sogenannte „Fasten“ hat sicherlich auch heute noch eine Bedeutung. Weltweit werden jetzt Programme ins Leben gerufen, die die Wichtigkeit körperlicher Ertüchtigung betonen. In beider (körperlicher und mentaler) Hinsicht ist die richtige Menge an Stress entscheidend bei der Erzielung von „Anti-Aging-Effekten“, basierend auf „in medias res“ (Aristoteles) (1). Sogenannte antioxidative Therapien sind sehr kritisch zu betrachten. Eine chronische Einnahme von mehr als 5 000 IU
Vitamin A pro Tag kann bei Erwachsenen zur Intoxikation führen. Die in den USA leichfertige Einnahme diverser Substanzen, die sich gut vermarkten lassen, ist problematisch. Die Popularität von Anti-Aging-Cocktails einschließlich Wachstumshormon und Testosteron wird verdeutlicht durch Pressemitteilungen wie dem Autopsiebericht von dem 39-jährigen Supermodel Anna Nicole Smith. Um dieser Praxis entgegenzuwirken, hat die Endocrine Society sogenannte Practice Guidelines publiziert (2). Bei Männern, insbesondere im fortgeschrittenen Alter, kann die Diagnosestellung „Androgenmangel“ Schwierigkeiten bereiten (3). Wachstumshormon wird auch beim alternden Menschen durch körperliche Ertüchtigung von der Hypophyse ausgeschüttet, wenngleich diese Stimulation mehr Anstrengung kostet als in der Jugend, sofern keine Erkrankungen der Hypophyse vorliegen oder andere Faktoren, die die Sekretion dieses anabolen Hormons reduzieren.

Prof. Dr. med. habil. Christian A. Koch, FACP, FACE
Director, Division of Endocrinology
University of Mississippi Medical Center
2500 N State Street
Jackson, MS 39216, U.S.A.
E-Mail: ckoch@medicine.umsmed.edu

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Koch CA, Stratakis CA: Genetic factors and stress. In Fink G (editor): Encyclopedia of Stress, Vol 2., Academic Press, San Diego, CA, 2000; 205–12.
2.
Wierman ME et al.: Androgen therapy in women: an endocrine society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab 2006; 91: 3697–710. MEDLINE
3.
Kazi M, Geraci SA, Koch CA: Considerations for diagnosing and treating testosterone deficiency in elderly men. Am J Med 2007; 120: 835–40. MEDLINE
1. Koch CA, Stratakis CA: Genetic factors and stress. In Fink G (editor): Encyclopedia of Stress, Vol 2., Academic Press, San Diego, CA, 2000; 205–12.
2. Wierman ME et al.: Androgen therapy in women: an endocrine society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab 2006; 91: 3697–710. MEDLINE
3. Kazi M, Geraci SA, Koch CA: Considerations for diagnosing and treating testosterone deficiency in elderly men. Am J Med 2007; 120: 835–40. MEDLINE

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