ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Bekanntmachungen: Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 TPG

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Bekanntmachungen: Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 TPG

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): A-3208 / B-2824 / C-2724

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LNSLNS Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat in seiner Sitzung vom 26. 10. 2007 auf Empfehlung der Ständigen Kommission Organtransplantation Folgendes beschlossen:

In den Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 und 5 TPG in der Fassung vom 28. 2. 2003 (Dtsch Arztebl 2003; 100[9]: A 582–3), zuletzt geändert am 24. 3. 2007 (Dtsch Arztebl 2007; 104[12]: A 807–9) werden die Richtlinien für die Organvermittlung zur Lebertransplantation wie folgt geändert:

A. In Kapitel II. wird der Text (ohne Tabelle 3) zu Abschnitt 1.2.2.2. wie folgt neu gefasst:

„1.2.2.2. Zugewiesener MELD-Score (matchMELD)
In Ausnahmefällen wird die Dringlichkeit der Transplantation durch den labMELD nicht adäquat ausgedrückt. Auf Antrag des Transplantationszentrums wird diesen Patienten ein MELD-Score zugewiesen, der sogenannte matchMELD. Der matchMELD entspricht einem MELD-Score, wie er sich hinsichtlich Dringlichkeit und Erfolgsaussicht für vergleichbare Patienten mit anderen Lebererkrankungen berechnet.
Erfüllt die Erkrankung eines Patienten die in Tabelle 3 spezifizierten Standardkriterien, weist ihm der medizinische Dienst der Vermittlungsstelle den zugehörigen matchMELD zu.
Erfüllt in Ausnahmefällen die Erkrankung eines Patienten keine der in Tabelle 3 spezifizierten Standardkriterien, begründet das Transplantationszentrum in einem Antrag an die Vermittlungsstelle, warum der labMELD die Dringlichkeit einer Transplantation bei diesem Patienten und seinem Krankheitsbild nicht adäquat widerspiegelt (sog. Non-Standard Exception). Von der Vermittlungsstelle wird daraufhin ein Auditverfahren durchgeführt, um zu klären, ob ein vom labMELD abweichender matchMELD zuerkannt werden kann. Wird der Antrag von der Auditgruppe akzeptiert, erhält der Patient einen initialen matchMELD, der einer 3-Monats-Letalität von 15 % entspricht. Dieser wird in 3-Monats-Schritten entsprechend einer Zunahme der 3-Monats-Letalität von 10 % erhöht.
Basierend auf diesen durch die Auditgruppe beurteilten Ausnahmefällen (Non-Standard Exceptions) werden – wenn medizinisch sinnvoll und aufgrund der Datenlage möglich – neue Vorschläge für Standardkriterien erarbeitet, die der Ständigen Kommission Organtransplantation (zur Ergänzung dieser Richtlinie) vorgelegt werden.
Darüber hinaus werden alle Standardkriterien regelmäßig durch die Ständige Kommission Organtransplantation überprüft und ggf. an den jeweiligen Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst.
Hat ein Patient nach Zuweisung eines matchMELD zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren labMELD, so wird dieser höhere MELD Score bei der Allokation berücksichtigt.
Die Höherstufung des matchMELD erfolgt nach Überprüfung in 3-Monats-Schritten.
Die Allokation erfolgt bei erwachsenen Patienten nach dem MELD-Score in absteigender Reihenfolge, so dass Patienten mit dem höchsten Sterblichkeitsrisiko auf der Warteliste und damit der höchsten Dringlichkeit die höchste Priorität besitzen.“


B. In Kapitel II. wird in Abschnitt 1.2.2.2. in Tabelle 3 der letzte Passus in der 2. Spalte zur Erkrankung Hepatozelluläres Karzinom (HCC) wie folgt neu gefasst:

„Besteht bei einem Patienten ein HCC mit Läsionen, die nicht durchgehend (sondern z. B. erst durch Downstaging) die Mailand-Kriterien erfüllen, sind auch die Standardkritierien nicht erfüllt.“


C. In Kapitel II. wird der Abschnitt 3. wie folgt neu gefasst:

„3. Expertengruppe Lebertransplantation (Auditgruppe)

3.1. Aufgaben der Auditgruppe und Verfahren

3.1.1. HU-Verfahren
Ein Patient, der zur dringlichen Transplantation (Dringlichkeitsstufe HU) angemeldet wird, muss sich in dem anmeldenden Transplantationszentrum in stationärer Behandlung befinden. Die Einstufung in die Dringlichkeitsstufe HU trifft der medizinische Dienst der Vermittlungsstelle. In Ausnahmefällen führt die Vermittlungsstelle zur Feststellung der Dringlichkeit ein Auditverfahren durch.

3.1.2. Kombinierte Lebertransplantation
Bei Patienten, bei denen eine Lebertransplantation in Kombination mit anderen nicht renalen Organen vorgesehen ist, wird von der Vermittlungsstelle auf Antrag des Transplantationszentrums ein Auditverfahren durchgeführt, um zu klären, ob im Einzelfall unter Berücksichtigung von Indikation und Erfolgsaussicht eine vorrangige Allokation vor elektiven Transplantationen angezeigt ist.

3.1.3. Zuweisung eines matchMELD bei Nichtvorliegen von Standardkriterien (Non-Standard Exceptions)
Für Patienten mit Krankheitsbildern, deren Dringlichkeit der Transplantation durch den labMELD nicht adäquat ausgedrückt wird und für die (noch) keine Standardkriterien festgelegt wurden, wird von der Vermittlungsstelle ein Auditverfahren durchgeführt, um zu klären, ob eine Non-Standard Exception besteht (s. 1.2.2.2.).

3.2. Zusammensetzung der Auditgruppe und Verfahren
Die Auditgruppe besteht aus drei in der Lebertransplantation erfahrenen Ärzten aus verschiedenen Zentren im Vermittlungsbereich der Vermittlungsstelle, nicht jedoch aus dem anmeldenden Zentrum. Die Mitglieder der Auditgruppe werden von der Vermittlungsstelle benannt.
Die Entscheidung der Auditgruppe ist mehrheitlich zu treffen und erfolgt im Falle des HU-Verfahrens unverzüglich und für die anderen Auditverfahren zeitnah unter Beachtung der medizinischen Dringlichkeit. Jedes Votum wird begründet und bei der Vermittlungsstelle dokumentiert.
Die Reevaluation erfolgt auf Veranlassung des anmeldenden Zentrums für die Dringlichkeitsstufe HU nach sieben Tagen und für Standard und Non-Standard Exceptions nach drei Monaten.

3.3. Evaluation
Die Auditverfahren sollen von der Vermittlungsstelle fortlaufend gesondert dokumentiert und evaluiert werden. Darüber ist der Ständigen Kommission Organtransplantation regelmäßig, jedenfalls jährlich zu berichten, um ggf. neue Erkenntnisse zeitnah in die Richtlinie einzuarbeiten.
Die Transplantationszentren sind verpflichtet, der Vermittlungsstelle die für die Evaluation der Audits notwendigen Daten zu übermitteln.“


D. Inkrafttreten

Die Richtlinienänderungen treten am 1. Dezember 2007 in Kraft.

[Hinweis: Der Wortlaut der Richtlinien ist vorab abrufbar unter www.bundesaerztekammer.de/organtransplantation]

Korrespondenzanschrift: Bundes­ärzte­kammer, Dezernat VI, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
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