ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2007Rechtsberatung online: Im Netz der Anwälte

BERUF

Rechtsberatung online: Im Netz der Anwälte

Dtsch Arztebl 2007; 104(46): [123]

Althoetmar, Kai

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ohne Anwalt sind viele Ärzte bei Rechtsproblemen verloren, doch ist die
Hemmschwelle, eine Kanzlei aufzusuchen, groß. Zudem kann die Erstberatung bis zu 190 Euro kosten. Das Internet hat Ratsuchenden Alternativen beschert.

Virtuell zum Anwalt – diese Devise verfolgen Portale wie „Answer24.de“, „Anwalt.de“ und „Frag-einen-Anwalt.de“. Die Portale widmen sich einer Vielzahl von Rechtsgebieten von A wie Architektenrecht bis Z wie Zivilrecht. „Arbeitsrecht, Familienrecht, Mietrecht und Nachbarschaftsrecht gehören zu den gefragtesten Bereichen“, sagt Michael Friedmann, Geschäftsführer der qnc GmbH in Hannover, die seit 2004 das Portal Frag-einen-Anwalt.de mit 450 angeschlossenen Anwälten betreibt. 40 bis 60 Fragen verzeichnet die Website pro Tag.
Ratsuchende können bei Frag-einen-Anwalt oder Answer24 nach der Anmeldung auf der Plattform ihr Problem schildern und bestimmen selbst, was sie für eine Antwort zahlen wollen. Schon mit 20 Euro ist man dabei. Will kein Advokat die Frage beantworten, fällt ein Euro Einstellgebühr an, bei Answer24 keine. Die Abrechnung erfolgt per Abbuchung oder Kreditkarte. Bei Answer24 kann der Anwalt die Antwort zurückhalten, bis der Kunde gezahlt hat. Die Portale leben vor allem von den Anwälten. So kassiert die qnc GmbH die Einstellgebühr von je ein Euro sowie von den teilnehmenden Anwälten eine Nutzungsgebühr, die sich aus einer Jahrespauschale und einer Fallprovision zusammensetzt.
Andere Portale rechnen zum Pauschalpreis ab. Gigarecht.de aus Hamburg verlangt 60 Euro für eine Anfrage. Beim Kölner Anwalt-Onlineservice.de sind für eine Standardberatung 52,20 Euro fällig, die es binnen drei Werktagen gibt. Der „Express-Rat“ binnen 24 Stunden kostet 81,20 Euro. Alternativ kann man einen Kostenvoranschlag für den Online-Rechtsrat einholen. Auch die Nürnberger Anwalt.de Services AG macht nach der Fallschilderung auf Wunsch ein Angebot, bevor der Anwalt antwortet. Wer es ablehnt, muss nichts zahlen. Erteilt man den Auftrag, können notwendige Unterlagen per E-Mail oder Fax noch nachgereicht werden.
Abgehandelte Fälle samt Antworten kann man bei Frag-einen-Anwalt ohne Anmeldung lesen. „Die Ratsuchenden können so von den Erfahrungen und Fragen anderer profitieren“, meint Friedmann. Andere Portale sind diskreter. Bei Answer24 etwa wird nur die Fallschilderung publik, nicht die Antwort.
Stellt man bei Frag-einen-Anwalt eine Anfrage ins Netz, kann aus einem Pool von Anwälten einer die Frage beantworten. Wer sich zuerst den Auftrag sichert, verdient das Beratungshonorar. „Die Antwort kommt im Schnitt binnen 100 Minuten nach Fragestellung“, sagt Friedmann. Und sie ist rechtsverbindlich. Erteilt der Anwalt eine fehlerhafte Auskunft, haftet er. Manchmal bleiben Fragen unbeantwortet, weil das ausgelobte Honorar zu mickrig ist. Vorteil aller Portale: Die Online-Korrespondenz wird schwarz auf weiß festgehalten – anders als die persönliche oder die telefonische Beratung. Zudem spiegeln Bewertungssysteme wie bei eBay die Zufriedenheit der Ratsuchenden wider.
Ersetzen Anwaltsportale den Gang in die Kanzlei? Laut Michael Friedmann eignet sich die Plattform vor allem „für einfach gelagerte Probleme oder die rechtliche Eingrenzung und Orientierung“. Geklärt werden vor allem die Fragen: Besteht ein Anspruch? Sollte ein Problem weiter anwaltlich verfolgt werden? Hat man sich strafbar gemacht? Ron Bungert, der im sächsischen Bad Düben Answer24.de betreibt, betont: „Eine ausführliche persönliche Beratung vor Ort kann durch eine Onlineberatung nichtersetzt werden.“
Wer will, kann später den Onlineanwalt mit einem Mandat beauftragen. Viele der Anwälte in den Portalen spekulieren darauf und nehmen nur deshalb bescheidene Honorare für den Onlinerat hin.
Die Portale haben auch Nachteile: Der Rechtsrat kann nur so gut sein, wie es die Fragestellung ermöglicht. Drückt sich der Mandant unklar aus oder nennt er wichtige Details nicht, hakt es. Ist die Sichtung von Unterlagen – Baupläne, Miet- oder Architektenverträge – durch den Anwalt nötig, taugt eine Plattform wie Frag-einen-Anwalt wenig. Nachfragen ist schwierig. Bei Friedmanns Plattform ist nur bei Verständnisproblemen eine Nachfrage gestattet. Wer weitere Fragen hat, muss zur Kanzlei und zahlt extra. Die Auskünfte der Anwälte sind von durchwachsener Qualität. Oft sind mehr als 80 Prozent der Antworten Textbausteine. Sie werden aus vorhandenen Schriftsätzen, Kommentaren und Gesetzestexten einkopiert. Viel Text, wenig Arbeit – nicht jeder Mandant erkennt das.
Kai Althoetmar

Bei Anruf Rechtsrat
Wer weder in eine Kanzlei rennen noch auf ein Gespräch verzichten will, hat eine Alternative: Rechtsrat per Telefon. Als teuer gelten Hotlines mit Minutenpreisen von 1,99 Euro. Abgerechnet wird über eine 0900er-Nummer. Das Geld wird mit der Telefonrechnung bezahlt. Telefon-Rechtsrat zum Pauschalpreis bietet neuerdings die ARAG-Versicherung. Für pauschal 56 Euro pro Jahr erhält der Kunde bei Anruf Erstberatungen vom Anwalt. Die Versicherung übernimmt bis zu 250 Euro je Rechtsberatung. Im Kalenderjahr dürfen für alle Beratungen nicht mehr als 500 Euro anfallen. Selbstständige erhalten keinen beruflichen Rat. Im Preis inbegriffen ist der Onlinezugriff auf Standardverträge und Dokumente.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema