ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007RANDNOTIZ: Tod auf dem Parkplatz

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RANDNOTIZ: Tod auf dem Parkplatz

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3217 / B-2833 / C-2733

Schmedt, Michael

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LNSLNS Wer wünscht ihn sich nicht, den menschenwürdigen Tod? Die Sterbehilfeorganisation Dignitas sorgt schon seit 1998 für Aufregung, indem sie Sterbewilligen hilft, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Das „menschenwürdige Sterben“ dient der Organisation dabei als Werbeslogan. Wie das aussehen kann, zeigte sich jetzt in erschreckender Weise am Tod zweier Deutscher auf einem Parkplatz vor den Toren Zürichs. Der assistierte Freitod ist in der Schweiz erlaubt, solange die Helfer keine eigennützigen Interessen haben. Dennoch hat Dignitas ein Problem: Die Nachbarn ihrer Sterbewohnungen beschweren sich über das Kommen und Gehen von Leichenwagen, gegen Alternativen wie Hotelzimmer wehrt sich erfolgreich das Hotelmanagement.
Jetzt der Tod auf dem Parkplatz. Der einzig positive Aspekt dieses ungeheuerlichen Vorgehens ist, das Dignitas sein wahres Gesicht zeigt und damit zugleich seinem ohnehin zweifelhaften Ruf schadet: Der von ihr so oft propagierte Akt der Barmherzigkeit verwandelt sich zu einer profanen Dienstleistung gegen Geld – egal wie und wo. Das ist kein neuer Vorwurf, er bestätigt sich aber hier nochmals in aller Deutlichkeit. Umso dringlicher ist es, dass es Dignitas nicht gelingt, wie die Schwesterorganisation Dignitate in Berlin angekündigt hat, in Deutschland einen juristischen Präzedenzfall zu schaffen, um einen ärztlich begleiteten Suizid zu ermöglichen. Und noch wichtiger ist, dass die palliativmedizinische Versorgung gefördert und ausgebaut wird, denn nur sie sorgt für ein menschenwürdiges Sterben mit kompetenter Pflege in einer angemessenen Umgebung – ohne die unwürdige Vermittlung eines Suizids als Geschäftsbeziehung.
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