ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Vioxx: US-Pharmariese Merck stimmt Vergleich zu

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Vioxx: US-Pharmariese Merck stimmt Vergleich zu

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3218 / B-2834 / C-2734

Zylka-Menhorn, Vera

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Foto: picture alliance/ZB – Fotoreport
Foto: picture alliance/ZB – Fotoreport
In den USA wurde der größte Vergleich der Pharmabranche wegen gravierender Nebenwirkungen eines Medikaments beschlossen. Der Pharmakonzern Merck & Co. hat sich mit Anwälten auf die Summe von 4,85 Milliarden Dollar geeinigt, um einen Großteil der Klagen wegen vermeintlich tödlicher Nebenwirkungen des Schmerzmittels VIOXX® außergerichtlich beizulegen. Die Einigung umfasse 95 Prozent der Klagen gegen Merck, meldete der Konzern. Ein Schuldeingeständnis sei mit der Zahlung allerdings nicht verbunden.
Nachdem Merck das Medikament im September 2004 vom Markt genommen hatte, haben Zehntausende ehemalige Patienten und Versicherungen den Konzern auf Schadensersatz verklagt. Bisher hatte der Konzern elf Gerichtsverfahren gewonnen; in fünf Verfahren wurde zugunsten der Kläger entschieden.
Alle bisher in den USA eingereichten Klagen deutscher Betroffener wurden abgewiesen. Gerade weil die Gerichte so unterschiedlich geurteilt hatten, wurde nun die außergerichtliche Einigung angestrengt. Zunächst wollte Merck jeden Fall einzeln verhandeln. Der Gang durch die Instanzen hätte sich möglicherweise über Jahrzehnte hingezogen ohne Aussicht auf einen klaren juristischen Erfolg für das US-Unternehmen.
Laut US-Medienberichten wird das finanzielle Angebot von Merck verbindlich, wenn mindestens
85 Prozent der fast 27 000 Kläger den Schadensersatz-Vertrag unterschreiben. Versicherungsgesellschaften, ehemalige Patienten und Angehörige von Opfern dürfen sich dann das Geld – je nach Behandlungsdauer und dem Grad der durch VIOXX verursachten Schädigungen – aufteilen. Nach der außergerichtlichen Einigung in den USA, streben nun auch deutsche Betroffene einen Vergleich an. Wie der Berliner Anwalt Andreas Schulz dem Tagesspiegel berichtete, habe seine Kanzlei bisher rund 100 Fälle vor deutsche Gerichte gebracht und vertrete weitere 850 Betroffene.
Die deutsche Tochter des Konzerns, MSD Sharp & Dohme GmbH, weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass sich die US-Vereinbarung nicht auf Ansprüche außerhalb der USA bezieht, die sich in unterschiedlichen Verfahrensstadien befinden; zudem unterlägen sie länderspezifischen Regeln. „Das Vorgehen des Unternehmens in Bezug auf Produkthaftungsklagen außerhalb der USA ist unverändert. Wir werden uns weiterhin entschieden gegen sämtliche dieser Klagen verteidigen“, so MSD. Nach Angaben des Unternehmens wurden in Deutschland bisher mehr als 30 Verfahren abgewiesen oder von den Klägern zurückgezogen, sechs von diesen Fällen seien derzeit in Berufung. Mehr als 100 weitere Klagen sind anhängig. zyl
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