ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Klonerfolg erstmals bei Primaten

AKTUELL: Akut

Klonerfolg erstmals bei Primaten

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3218 / B-2834 / C-2734

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Von erfolgreichen Versuchen, aus den Körperzellen von Rhesusaffen Embryonen zu klonen und daraus Stammzelllinien zu gewinnen, berichtet der russischstämmige Amerikaner Shoukhrat Mitalipov vom Oregon National Primate Research Centre (US-Bundesstaat Oregon) in der Onlineausgabe des US-Fachmagazins „Nature“ vom 14. November. Die Publikation erregt großes Aufsehen, denn das Klonen von Primaten war bislang immer gescheitert.
Dem Bericht zufolge wandte das Forscherteam um Mitalipov die Methode des somatischen Zellkerntransfers an, mit der bereits andere Säugetiere erzeugt wurden: Sie überführten Zellkerne von Fibroblasten der Haut eines neun Jahre alten männlichen Rhesusaffen in entkernte Eizellen weiblicher Tiere. Ein Affenbaby wurde nicht geboren; in 35 Fällen sind jedoch Embryonen in einem sehr frühen Stadium entstanden. Ferner ist es gelungen, aus den Embryonen (unter Verwendung von 304 Eizellen) zwei pluripotente embryonale Stammzelllinien zu gewinnen und diese zu Herz- und Nervenzellen reifen zu lassen.
DNA-Analysen hätten zweifelsfrei ergeben, dass die Zellkern-DNA der isolierten Stammzellen identisch mit der DNA der verwendeten Fibroblasten ist. Die mitochondriale DNA soll nachgewiesenerweise von den verbrauchten Oozyten stammen.
Warnung vor verfrühter Euphorie
Mitalipovs Ergebnisse wecken nun vielfach Hoffnungen, dass künftig mit der Technik auch maßgeschneiderte menschliche Stammzelllinien etabliert und degenerative Erkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Morbus Parkinson, geheilt werden können. Anderen erscheinen Heilungsversprechen noch verfrüht. Die Funktionsfähigkeit der gezüchteten Zellen sei noch nicht nachgewiesen. Zudem sei die Methode ineffektiv und teuer.
Vorsicht ist auch aus einem anderen Grund geboten: Bereits 2004 hatte der südkoreanische Forscher Woo Suk Hwang in dem Fachblatt „Science“ verkündet, patientenspezifische Stammzelllinien durch Zellkerntransfer gewonnen zu haben. Seine Ergebnisse stellten sich jedoch als gefälscht heraus. „Klon-König“ Hwang trat 2005 zurück.
Angesichts Mitalipovs Publikation warnen auch einige Organisationen: Wissenschaftler in aller Welt könnten sich versucht fühlen, geklonte Babys zu erschaffen, denn noch immer existiere kein weltweites Klonverbot von Menschen zu Fortpflanzungszwecken.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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