ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2007Rehabilitation: Bessere Vernetzung notwendig

POLITIK

Rehabilitation: Bessere Vernetzung notwendig

Dtsch Arztebl 2007; 104(47): A-3228 / B-2841 / C-2741

Hibbeler, Birgit

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Damit Rehabilitation zum langfristigen Erfolg führt, müssen alle Beteiligten enger zusammenarbeiten. Niedergelassene Ärzte spielen dabei eine wichtige Rolle.

Rehabilitation wird immer wichtiger. Die Zahl chronisch Kranker steigt, das Renteneintrittsalter wird schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Die Grundsätze „Reha statt Pflege“ und „Reha statt Rente“ sind deshalb aktueller denn je. Darin waren sich die Teilnehmer des Bundeskongresses der Bundesarbeitgemeinschaft für Rehabilitation in Nürnberg einig. Auch die Politik hat mittlerweile die wachsende Bedeutung der Rehabilitation erkannt. Er habe den Eindruck, das Motto „nicht an der Reha, sondern mit der Reha sparen“ werde immer mehr verstanden, sagte Dr. Herbert Rische, Deutsche Rentenversicherung Bund, und wies darauf hin: „Jede Kürzung im Bereich der Rehabilitation provoziert an anderer Stelle steigende Kosten.“
Mit der jüngsten Gesundheitsreform wurde die medizinische Rehabilitation von einer Ermessens- in eine Pflichtleistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung umgewandelt. Karl Heinrich Rehfeld, Bundesverband Deutscher Privatkliniken
(BDPK), lobte diese Entwicklung, kritisierte allerdings zugleich, mit der Rehabilitations-Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses seien an anderer Stelle bürokratische Hürden geschaffen worden. Die Verordnung von Rehabilitation durch Vertragsärzte werde erschwert (dazu DÄ, Heft 44/2007).
Für einen dauerhaften Rehabilitationserfolg ist eine gute Kooperation von Akutkrankenhaus, Reha-einrichtung und niedergelassenem Arzt unabdingbar. „Rehabilitation beginnt an der Unfallstelle und endet bei der Wiedereingliederung ins soziale Umfeld“, sagte Prof. Dr. med. Volker Bühren, Unfallklinik Murnau. Diese Vorstellung bleibt jedoch für viele Patienten ein frommer Wunsch. Besonders die optimale, frühzeitige Verzahnung von medizinischer und beruflicher Rehabilitation funktioniert nur in Einzelfällen (dazu „Schneller zurück in den Alltag“ in diesem Heft). Rehabilitationsziele sind häufig nicht optimal auf den Arbeitsplatz des Betroffenen abgestimmt, weil die Rücksprache mit den Betriebsärzten fehlt. „Verbesserungswürdig ist auch die Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Arzt“, räumte Rehfeld vom BDPK ein. In der Nachsorge im Anschluss an die Rehabehandlung passiere viel zu wenig, monierte auch Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Schwartz, Medizinische Hochschule Hannover. Den Ärzten müsse man das nachsehen. Der Rehabereich sei kompliziert, viele resignierten deshalb.
Mit einer Vielzahl an Kostenträgern ist der Rehasektor nicht nur für die Ärzte, sondern auch für Patienten unübersichtlich. Um zumindest Letzteren die Odyssee durch den Behördendschungel zu ersparen, haben die Kostenträger die Gemeinsamen Servicestellen eingerichtet. Allerdings ist dies vielen Versicherten nicht bekannt. Wenig in Anspruch genommen wurde bislang auch die Möglichkeit, ein „Persönliches Budget“ zu erhalten (siehe Kasten). Behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen können damit selbst entscheiden, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen. Der Erfolg des Budgets hängt allerdings von der Beratung ab. Kaum zuversichtlich stimmt da die Kritik von Betroffenen: Von Kundenorientierung sei bei den Kostenträgern wenig zu spüren, so Dr. Joachim Steinbrück, Behindertenbeauftragter in Bremen. „Viele Betroffene sehen die Kostenträger als ihre Feinde.“
Dr. med. Birgit Hibbeler

Persönliches Budget
Ab Januar 2008 haben Behinderte und Menschen, die von Behinderung bedroht sind, einen Rechtsanspruch auf ein Persönliches Budget (§ 17 SGB IX). Anstelle von Sachleistungen zur Teilhabe können sie einen Geldbetrag erhalten, mit dem sie selbstständig Maßnahmen „einkaufen“. Dazu zählen Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation sowie zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Als Kostenträger für das Budget kommen unter anderem Rentenversicherung, Krankenkassen, Unfallversicherung, Bundesagentur für Arbeit und Sozialhilfeträger infrage. Die Zahlung kann als trägerübergreifendes Budget erfolgen. Der Versicherte kann sich an eine Gemeinsame Servicestelle wenden und muss nur noch einen Antrag stellen.
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