ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Onkologie: Ungerechtfertigte Vorwürfe
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LNSLNSLNSLNS Der Vorwurf, daß Qualitätssicherung den Ärzten aus merkantilen Gründen zu lästig sei, ist ungerechtfertigt und anmaßend. Ärztinnen und Ärzte haben dies auch durch ihre vollständige Teilnahme an den Projekten zur externen Qualitätssicherung in unserem Kammerbereich (ÄK Nordrhein) unter Beweis gestellt. Denn sie hatten die Vorteile dieser Konzepte erkannt. Was gemessen wird, hängt in hohem Maße davon ab, wer die Daten haben will und für welchen Zweck. Im Rahmen der Datenanforderungen für die "Qualitätssicherung bei Sonderentgelten und Fallpauschalen" werden Abrechnungstatbestände und nicht Krankheiten und ihre therapeutischen Alternativen dargestellt. Die Zielsetzung der Verbesserung der Patientenversorgung erscheint für die Ärzte, die zusätzlich zu ihrer primären ärztlichen Tätigkeit diese Aufgaben der Dokumentation zu erfüllen haben, kaum nachvollziehbar.
Auch kann die Ärzteschaft die Gebühren für die von ihr geforderten und erbrachten Aufgaben nicht in dem Maße den Erfordernissen anpassen, wie dies beispielsweise die kommunalen Dienstleistungsunternehmen in den letzten Jahren getan haben.
Die These Demings, daß eine gute Qualitätssicherung nicht auf Angst vor Repressalien aufbauen kann, gilt in allen Bereichen. Die Aussage einer notwendigen "Kontrolle mit Zuckerbrot und Peitsche" gehört daher ebenso in das Gruselkabinett wie der Lenin zugeordnete Ausspruch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Mit beiden Prinzipien ist Qualitätssicherung durchdacht nicht durchzuführen.
Nicht mit der Brechstange dürfen hier Meinungen durchgesetzt werden. Es gilt, nachvollziehbare evidente Kriterien zu definieren, welche die Bemessungsgrundlage für die Qualität der gesundheitlichen Versorgung darstellen sollen. In der Onkologie ist die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit von Hausärzten, Fachärzten in Praxis und Krankenhaus, von Forschern in der Molekularmedizin und Epidemiologen notwendig. Zwischen den ersten offenbaren Hinweisen der Effektivität von Medikamenten zur Behandlung onkologischer Erkrankungen und schlüssigen Beweisführungen vergehen Jahre. Wer darf hier ex cathedra von vermeidbaren Sterbefällen sprechen, wenn in dieser Zeit der Prüfung die behandelnden Ärzte oft eine besondere Vorsicht walten lassen? Nicht jeder zunächst tauglich erscheinende Therapieansatz hat den Test der Zeit bestanden. Es gilt, auch den Patientenwillen zu respektieren. Es gibt Ärzte, die eine Chemotherapie beim kleinzelligen Bronchialkarzinom für sich selbst ablehnen würden . . .
In den ärztlichen Qualitätszirkeln werden vor Ort Lösungen für Problemstellungen gesucht. Die gemeinsame Entwicklung von Leitlinien zu speziellen Fragestellungen beginnt in enger Zusammenarbeit zwischen der verfaßten Ärzteschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Dies sind eindrucksvolle Beweise für die Anstrengungen der Ärzteschaft im Bereich der Qualitätssicherung ärztlichen Handelns. Diese Wege gilt es zusammenzuführen.
Dr. Klaus U. Josten, Ausschuß Qualitätssicherung der Ärztekammer Nordrhein, Tersteegenstraße 21, 40474 Düsseldorf
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